Dienstag, 28. August 2012

Get Well Soon - The Scarlet Beast O'Seven Heads


























Hat es sich also doch ausgezahlt im Kunstgeschichte-Unterricht aufgepasst zu haben: Das Cover des dritten Albums von Get Well Soon ziert ein klassisches Vanitas-Stillleben, das die Vergänglichkeit der irdischen Existenz widerspiegeln soll. Kein Wunder also, dass Konstantin Gropper sich thematisch der Apokalypse annimmt ("Let Me Check My Mayan Calender") und uns alles andere als die angekündigte fluffige Sommerplatte kredenzt. Er entnimmt Ideen der griechischen Mythologie oder der Offenbarung des Johannes, legt Querverweise zu Soundtracks italienischer B-Movies, huldigt erneut einem deutschen Regisseur ("Roland, I Feel You") und schafft es in 55 cineastischen Minuten einer instrumentalen Miniatur ("Dear Wendy") ebenso einzubauen, wie mit Synthie-Klängen oder einer spärlich instrumentierten Akustik-Ballade ("The World's Worst Shrink") zu überraschen.  

Im Barock erlebte das Stillleben als eigenständige Gattung der Malerei seinen Höhepunkt und ebenso barock zeigen sich hier die opulenten Arrangements mit Mundharmonika, Cembalo, Xylofon, Pauken, Streichern, Bläsern und Chorgesang bzw. Get Well Soon auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Auch wenn im orchestralen und mannigfaltigen Klangspektrum der einzelne Song aus dem Gesamtkunstwerk kaum herausragen zu vermag.



Eine Albumproduktion von Konstantin Gropper muss man sich als Studie vorstellen. Zu Beginn wird ein Mood-Board ausgelegt: Postkarten von der Via Veneto liegen neben Soundtracks der "Giallo"-Thriller-Ära. Fotos, Filme, Farben und Töne inspirieren die Arrangements, die er dann zu einem Oratorium mit 13 "Songs" verdichtet. Mal gibt er den Tastenvirtuosen mit Hang zum Romantikzirkus, dann zitiert er Pink Floyds Synthiegeflimmer aus den Ruinen von Pompeji. Auch die Welt von Prefab Sprout ist ihm keineswegs fremd. Doch um Echtheit und klare Referenzen geht es dem oberschwäbischen Burt Bacharach mit Wohnsitz Mannheim ohnehin nicht. Wenn er singt, klingt er zuweilen wie die frühen Depeche Mode ("The Kids Today"), doch auch von der Stimme her ist er nicht festgelegt. Im Grande Finale "You Cannot Cast Out The Demons, You Might As Well Dance" sorgen Samples einer belegten Frauenstimme für Dramatik, marschierende Kesselpauken schieben sich unter Synthieflächen, bis irgendwann der Himmel aufgeht – und ein Einhorn (oder ein purpurnes Raumschiff) fliegt in die Sonne.
(Rolling Stone)

Get Well Soon auf Tournee:

14.09.12 Hamburg - Große Freiheit 36
17.09.12 München - Theaterfabrik
18.09.2 Leipzig - Werk 2
19.09.12 Dresden - Alter Schlachthof
20.09.12 Berlin - Astra
21.09.12 Bielefeld - Forum
04.10.12 Düsseldorf - New Fall-Festival
05.10.12 Heidelberg - Enjoy Jazz-Festival
06.10.2 CH Vevey - Rocking Chair
07.10.12 Freiburg - Jazzhaus
08.10.12 Frankfurt - Mousonturm
03.11.12 CH Zürich - Mascotte
04.11.12 CH Luzern - Schüür
05.11.12 A Graz - Orpheum
06.11.12 A Wien - Arena
07.11.12 A Salzburg - Rockhouse

11 Kommentare:

Christoph W. hat gesagt…

Wie schon ganz richtig festgestellt: Ein Gesamtkunstwerk. Trotzdem hätte dem Album der eine oder andere wirklich herausragende Song sicher nicht geschadet.

6,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Irgendwann muss mir aus irgendeinem Grund Get Well Soon mal gefallen haben (es wird wohl das herrliche "You're Using All Your Senses Just For Being Sad" mit seiner " Drei Nüsse für Aschenbrödel-Melodie), dass ich immer wieder jedes neue Album kaufe. Hier packt dann leider gar nichts mehr.

5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

7,5 Punkte

Julia hat gesagt…

Großes Kino - wie immer.
8,5 Punkte

aXel hat gesagt…

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Auch wenn mit "Last Days Of Rome", "Roland I Feel You" und "You Cannot Cast Out The Demons" nur 3 wirklich überzeugende Songs enthalten sind:

8,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

U. hat gesagt…

8 Punkte.

Christoph hat gesagt…

8,5 sollten es schon sein!

Gudrun hat gesagt…

Wir gewöhnen uns auch nach mehreren Monaten erst langsam aneinander. Im Moment etwa 7,5 Punkte (bisher ein grower für mich).

Dirk hat gesagt…

Wir waren (mal wieder) bei Get Well Soon und so war es.