Mittwoch, 29. August 2012

Archive - With Us Until You're Dead






















Das Londoner Musikerkollektiv rund um Darius Keeler und Danny Griffith verspricht seinen Fans im Titel ihres achten Albums eine lang anhaltende Beziehung. Die Grundlagen dazu wurden gelegt, indem mit dem eigenen Label Dangervisit Records noch mehr künstlerische Freiheit geschaffen wurden. Wechsel im Stammpersonal, leicht veränderte musikalische Ausrichtung und textliche Neueinstellung sollen Langweile und Vorhersehbarkeit in der Verbindung zwischen Archive und Fan verhindern.

Der Rapper Rosko John wirkt auf "With Us Until You're Dead" nicht mehr mit, statt dessen wurde mit Holly Martin eine zweite Sängerin zu Maria Q hinzu geholt. Zusammen mit Pollard Berrier und Dave Penney, dessen Projekt BirdPen wir vor einigen Wochen bereits vorgestellt hatten, ergibt sich somit eine abwechslungsreiche Gesangsvielfalt. Das gleiche Adjektiv ließe sich auch ideal auf die Musik von Archive anwenden, denn diese versucht erneut Elektro und Prog-Rock in Einklang zu bringen, reduziert diesmal den Trip Hop-Anteil ein wenig, um orchestralen Klängen mehr Raum anzubieten. 
Für Archive-Verhältnisse sind die Songs, die teilweise ineinander fließen, auch recht kompakt gehalten: Knapp 55 Minuten verteilen sich diesmal auf 12 Titel. Und auch die beiden Bonus-Tracks "Aggravated Twisted Fill" und "Soul Tired" bleiben unter der 4-Minuten-Marke. 
Bleibt noch zu erwähnen, dass der textliche Fokus laut Keeler von sozialen und kritischen Themen auf die Liebes- und Beziehungsebene verschoben wurde.  Doch keine Angst, die Welt von Archive ist nicht rosa und kitschig, sondern bleibt düster bis schwarz.


Freunde von UNKLE, Radiohead, Tricky, Massive Attack und Pink Floyd sollten  überlegen, ob sie Archive für den Rest ihrer Tage als Begleiter in Betracht ziehen möchten. Spannender wird es dadurch bestimmt.   
 



Der Opener "Wiped Out" beginnt mit sphärischen Vocalparts und mündet in fast schmerzhafter Verzweiflung. Unruhige Drumcomputer treffen auf verträumte Keyboardarrangements. Düstere Gitarrenriffs auf elegische Streichersequenzen. Elektronik auf klassische Instrumentierung. Triphop auf Progrock. Archive eben.
Genau diese scheinbaren Gegensätze ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Es sind die Zäsuren, die "With Us Until You're Dead" so spannend machen. "Stick Me In My Heart" übt sich in balladesker Zurückhaltung, die erst gegen Ende von  computergeneriertem Drang zu Aktionismus wachgerüttelt wird. Dieser mündet in dem biestigen "Conflict", über dessen Dschungelklängen ein barbarisches "Yawp!" erschallt. Diese maskuline Art der Verwüstung trifft bei der Singleauskopplung "Violently" auf sein feminines Pendant. Angriffslustig schraubt sich Holly Martins Stimme durch den Track, bis sie am Ende sanfter Versöhnlichkeit Platz macht. Die bluesig-klagenden Vocals auf "Twisting" werden von mollastigen Synthieklängen massakriert, die wiederum von weichen Streichern zerbrochen werden. Ähnlich als würde man Salz in Wunden streuen, um diese anschließend liebevoll mit Pflaster zu versorgen. Jeder einzelne der 12 Tracks ließe sich auf diese Art und Weise auseinander nehmen und nach gründlicher Analyse wieder in das Gesamtgefüge einsetzen. So, als hätte man ihn nie daraus entfernt. Dennoch bleibt es interessanter "With Us Until You're Dea"“ als Gesamtwerk zu betrachten. Vorausgesetzt, man nimmt sich die nötige Zeit dafür. 
"With Us Until You're Dead" ist ein Album, das seine Geheimnisse nicht leichtfertig preisgibt und somit nach der Aufmerksamkeit des Hörers verlangt. Vieles, das beim ersten Hören verborgen bleibt, erschließt sich erst im zweiten, dritten oder gar vierten Durchlauf. Wenn wir beim Kernthema der Liebe verweilen, ähnelt der Longplayer den vielschichtigen Charakterzügen eines Partners, die man erst im Laufe der Zeit ergründet. Entweder schweißen diese Erkenntnisse zusammen oder sie entzweien. Bei "With Us Until You're Dead" sorgen die Vielschichtigkeit und die Komplexität für ein unzertrennliches Band zwischen Band und Fans. Vielleicht erscheint dem einen oder anderen im wahren Leben das Versprechen "Bis das der Tod uns scheidet" als zu groß. Mit Archive würde man dennoch bis zum bitteren Ende gehen. In guten wie in schlechten Zeiten. Bis zu einem Album, mit dem die Londoner nicht mehr zu überzeugen vermögen. Dieser Tag scheint jedoch noch in weiter Ferne zu liegen.
(popconnection)




Archive auf Tour:

22.10.12 München, Muffathalle
23.10.12 Karlsruhe, Substage
24.10.12 Dresden, Alter Schlachthof
29.10.12 Hamburg, Docks
01.11.12 Dortmund, Visions Westend
02.11.12 Darmstadt, Centralstation
04.11.12 Köln, E-Werk
05.11.12 Saarbrücken, Garage

2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

An Archive vergebe ich ebenfalls

7 Punkte