Montag, 16. April 2012

Me And Oceans - The Pond



























Dyschromatopsie wird nach ihrem Entdecker John Dalton auch Daltonismus genannt und kommt bei etwa 9% aller Männer (und etwa 0,8% der Frauen) vor. Möglicherweise zählt Fabian Schuetze zu dem Teil der Menschheit, bei dem eine Rot-Grün-Sehschwäche vorliegt - oder wie ist das Plattencover zu "The Pond" sonst zu erklären?

Fabian Schuetze, der neben seinem Soloprojekt Me And Oceans auch noch bei A Forest und Jaara aktiv ist, scheint auch sehr an seiner Blockflöte zu hängen, auch wenn ich sie auf den vorliegenden 6 Titeln nicht heraus hören konnte. Statt dessen gibt es dezente Electronica, Orgeln, Samples, Akustikgitarren, Piano und gelegentlich Bläser sowie Streicher zu hören. Doch wichtigstes Herausstellungsmerkmal von Me And Oceans ist Schuetzes tiefer, warmer Gesang, der an Thomas Feiner, Robbie Robertson oder Chris Rea denken lässt. Letzteres vielleicht auch nur, weil sich dessen "Josephine" noch am Ende der Platte versteckt hält.     

Mal sehen, was Eike zu "The Pond", das über analogsoul veröffentlicht wurde, zu sagen hat:
die anziehungskraft von "the pond" liegt in seiner formenuntreue, seinem bildersturm, seiner dominanz. hier lied und electronica und weise und schaffenskraft, dort mit wenigem die phantasie in rage gebracht und am ende mit genau jenem selbstbewußtsein aus der nummer raus. wer sich so positioniert, und ich meine nicht nur den stuhl im kahlen zimmer, der nimmt in kauf, dass man ihm den tönernen fuss unterm thron wegstösst. der wagt, dass die eigenen zweifel unterminiert werden. der weiß, dass das fertige stillstand bedeuten würde.
während sich die musikalie beweglich zeigt; orgelton gegründet, perkussiv beschossen, wo technik humanoide züge zieren, im rhythmus einverständnis ("the pond"), klavierdominanz mit zweistimmentrügnis ("when i was a dancer"), beatbeschwert, bläserentlastet, melodieverliebt ("another weekend"), mobyisiert, im rapkleidchen ("sep/okt"); da offeriert der gesang stabilität und konstanz. bei aller zu unterstellenden indolenz, trägheit, dick- oder schwerfälligkeit, vielleicht auch monotonie entstehen nie redundante momente, eher vertrautheit, eher ein andingen. als wolle schuetze in all seiner unbedarftheit, etwas linkisch, den gegenüber bei der hand nehmen, um die großen wasser zu überspringen, um die entdeckten tümpel, bäche, rinnsale zu teilen.
gestentreue, das vermeiden von hast und bombast, konsequenz und unterdrückte leidenschaft befördern interesse und die lust nach durchdringung. blasiertheit und dünkel? mitnichten. kaltschnäuzigkeit und vorwitz? vielleicht. hier verlässt sich einer auf sein können und baut auf markierungspfosten auf den vorwärtspfaden, die von vertrauten ins dickicht geschlagen wurden.
(klienicum)



Me And Oceans live:

19.04.12 Berlin
21.04.12 Chemnitz
28.04.12 Leipzig
21.05.12 Darmstadt
26.05.12 Jena
27.05.12 Dresden
29.05.12 Hamburg

4 Kommentare:

noplace hat gesagt…

ähem... der herr heißt fabian. können ja nicht alle menschen oliver heißen.

Dirk hat gesagt…

Bei all' diesen Olivers hier...!

Vielen Dank, Oliver Noplace.
;-)

Ingo hat gesagt…

Klingt nach einem sanften Mark Langegan. 7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Auf jeden Fall besser als Chris Rea!

6,5 Punkte