Freitag, 23. März 2012

Sleeping Policemen - Sleeping Policemen


























Autofahrer dürften sich sicherlich nicht für Sleeping Policemen begeistern, denn dies ist der englische Begriff für Bremsschwellen auf der Fahrbahn zur Geschwindigkeitsdämpfung.

Platten vor Gericht-Leser dürften sich sicherlich für Sleeping Policemen begeistern, denn dieses Quintett aus Hamburg liefert putzigen und charmanten Indiepop.

"High Skies" war der erste Titel, den ich von der Band hörte, und mit leicht schrammeligen Gitarren, Girl/Boy-Gesang, Glockenspiel, schönem Chorgesang am Ende und Star Wars-Merchandise aus meiner Jugend im dazugehörigen Clip war ich schnell überzeugt:




Das Debütalbum von Hendrik Böhne, Jonas Danielowski, Jil Hesse, Alex Jezdinsky und Sonja Müller wurde von Rick McPhail (Tocotronic) produziert, hat seinen LoFi-Charme beibehalten, zitiert mal den leichten, luftigen Pop der 60er Jahre, klingt dann wieder nach dem gut gelaunten, aufgedrehten Twee Pop von Throw That Beat In The Garbagecan (in weniger albern), ist plötzlich melancholisch, als stamme es aus Glasgow und dem Umfeld von Belle & Sebastian, und mit knapp 35 Minuten alles andere als zu lang geraten.

Lassen wir noch den "Waschzettel" zu Wort kommen:
Das Liedgut auf "Sleeping Policemen" wurde mit ruhiger Hand und souverän arrangiert, die Instrumentierung niemals überfrachtet, sondern stets allein dem Song gewidmet (höre Trompete und Flügelhorn auf "No Secret“!). Die beachtlichen Gesangsharmonien zeugen von einem durchaus traditionellen Pop-Verständnis fernab aller akuten (und ja nicht verwerflichen) Low-Fi-Ströme oder (schon eher verwerflichen) Belästigungen durch prahlerische Schichtungen von Pomp. Sleeping Policemen erzeugen eher jenes Gefühl von beschwingter, urbaner Melancholie, das sich nicht unbedingt in bestimmte Jahrzehnte oder Städte einsortieren lässt.
Selbstredend steht in den Plattenschränken der Bandmitglieder auch britisches Schallwerk. "Bonnie" präsentiert beispielsweise eine recht eindeutig mit Paisley-Tapete beklebte Orgel, während "Good Guy" auch vom späteren Teenage Fanclub für die Fahrradfahrt zum Besäufnis unter freiem Himmel hätte komponiert werden können. Das vertonte Ehedrama "White Russians" hingegen hätte Eugene Kelly sicherlich gerne selbst aufgenommen.
Die angenehme Frühlingsslackerhaftigkeit von "Sleeping Policemen" könnte ebenso gut zu Slumberland Records passen wie zu deinem Lieblingslabel der 60er, was nicht bedeuten soll, dass die Platte in irgendeiner Form altmodisch daherkommt. Sleeping Policemen haben das unaufgeregte Album für das beginnende Jahr aufgenommen, das auch im Winter noch ein willkommener Begleiter sein kann. Denn trotz der Routine, die die Band unüberhörbar erworben hat, ist ihr erfreulicherweise eine gewisse Schluffigkeit zueigen, die den vielen hyperambitionierten und somit leider unnützen Combos dieser trüben Tage sehr gut zu Gesicht stünde.
Erwähnt sei abschließend auch die Gestaltung des Tonträgers: Die unter den Messern von Carsten Nicolaus entstandenen Linolschnittkreaturen gehören mit Sicherheit zum freundlichsten, was man auf den Plattenhüllen der letzten paar Monate finden konnte.




3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Überaus Erfreuliches aus deutschen Landen!

7, 5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

7,5 Punkte