Donnerstag, 22. März 2012

Sharon Van Etten - Tramp


























Der Name Sharon Van Etten begegnete mir zum ersten Mal letztes Jahr, als ich mit Christoph zum Cross-linx Festival nach Eindhoven fuhr. Neben Efterklang sahen wir dort Owen Pallett in einem kleinen Saal, während gleichzeitig vor dem Hauptact The National besagte junge Dame den Hauptsaal bespielte. Wenig Zuhörer bei Herrn Pallett und eine Sängerin mit niederländisch klingendem Name, die die Massen anzog - das musste wohl eine lokale Größe sein, dachte ich mir. Mittlerweile weiß ich es besser.

Sharon Van Etten ist eine 31jährige Singer/Songwriterin, die aus Brooklyn, New York stammt aus und mit "Tramp" bereits ihr drittes Album veröffentlicht hat. Dass sie in Eindhoven direkt vor The National spielte, war wohl kein Zufall, denn sie unterstützte die Band auf deren Single "Think You Can Wait" gesanglich und Aaron Dessner produzierte im Gegenzug ihr Album. Doch damit nicht genug, denn im Studio fand sich, neben Zach Condon (Beirut) oder Jenn Wasner (Wye Oak), mit Bryce auch der zweite Dessner-Bruder ein.

Freunde von PJ Harvey oder Cat Power sollten sich vielleicht auch einmal mit Sharon Van Etten befassen. Das Video zu "Leonard" soll einen ersten Eindruck gewähren und danach verrät uns Die Zeit etwas zur Platte:



Jetzt einfach nur weiteratmen. Den Kopf zwischen die Beine hängen und hoffen, dass da jemand ist, der deine Hand nimmt. Am Besten, er redet ein bisschen mit dir, dann geht es schneller vorbei. Auch ein Mantra kann helfen, zum Beispiel der Satz "I'm alright". Sag ihn so lange vor dich hin, bis er stimmt.

We Are Fine heißt diese in einen Song gegossene Anleitung zum Überstehen von Panikattacken. Er stammt vom kürzlich erschienen dritten Album der New Yorker Songwriterin Sharon Van Etten. Sie weiß, wovon sie da singt: Sie leidet an einer Sozialphobie, die zu Angstanfällen führen kann – vor allem, wenn sie von vielen Menschen umgeben ist. Es hilft ihr, mit jemandem zu reden, und so singt sie We Are Fine auch nicht allein. Ungefähr in der Mitte des Songs kommt die Stimme von Zach Condon dazu, Kopf der Alternative-Folk-Band Beirut. Auch er kennt Panikschübe aus eigener Erfahrung, was das Lied zu einer Art Mini-Selbsttherapie macht – einer äußerst wohlklingenden. Aus einer einfachen folkigen, von Ukulele und Klavier gespielten Begleitung entwickelt sich nach und nach ein erhabenes, von Streichern und Schlagzeug gestütztes Songgebilde, dessen sanftes Schwanken einen enormen Charme entfaltet.

Das Stück zählt zu den Höhepunkten des Albums Tramp, mit dem es Sharon Van Etten gelingen könnte, ihren Status als "Amerikanas bestgehütetes Geheimnis" (The Observer) hinter sich zu lassen. Sowohl die US-amerikanische als auch die britische Musikpresse sind begeistert. Der New Musical Express gab für die Platte sogar neun von zehn Punkten und nannte sie eine der besten des jungen Jahres. Auch wenn sich der Zauber von Tramp erst allmählich erschließt, ist das Lob verdient. Die zwölf Stücke wirken nicht im konventionellen Sinne eingängig, und sie verweigern sich immer wieder dem Strophe-Refrain-Schema. Oft scheint es Sharon Van Etten mehr um den Sound und die Atmosphäre zu gehen als um einen Melodiebogen. Besonders deutlich zeigt das I'm Wrong, bei dem ihr Gesang von einem unheilvoll dräuenden Drone umspült wird, über den ein hektisches Glockenspiel tänzelt. Das ist pure Beklemmung.





Sharon Van Etten in Deutschland:

29.05.12 Hamburg, Prinzenbar
30.05.12 Köln, Studio 672

8 Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Und wie ist Sharon eigentlich live?

Dirk hat gesagt…

Keine Ahnung. Wenn du den Text oben gelesen hättest, dann wüsstest du, dass ich bei Owen Pallett war!!

Oliver Peel hat gesagt…

Ich habe den Text doch gelesen ;-)

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

"Magic Chords" ist toll, der Rest beeindruckt mich wenig(er).

6 Punkte

Dirk hat gesagt…

In Abwesenheit der Frank Ocean Platte (und einiger anderer) hier die Top 50 vom Paste Magazine:

50. Grimes
49. Kelly Hogan
48. Lord Huron
47. Baroness
46. Damien Jurado
45. Punch Brothers
44. Godspeed You! Black Emperor
43. Stars
42. Bettye LaVette
41. Of Monsters And Men
40. Todd Snider
39. Leonard Cohen
38. Dr. John
37. Shovels & Rope
36. Cat Power
35. King Tuff
34. Cloud Nothings
33. Howler
32. Woods
31. The Avett Brothers
30. David Byrne & St. Vincent
29. Killer Mike
28. Divine Fits
27. John K. Samson
26. Bob Dylan
25. Grizzly Bear
24. Justin Townes Earle
23. Jens Lekman
22. Hospitality
21. The Lumineers
20. The Mountain Goats
19. Rufus Wainwright
18. Kendrick Lamar
17. Andrew Bird
16. Tame Impala
15. Jack White
14. The Walkmen
13. The Shins
12. El-P
11. The Men
10. First Aid Kit
9. Beach House
8. Japandroids
7. Dirty Projectors
6. Alabama Shakes
5. Sharon Van Etten
4. Fiona Apple
3. Titus Andronicus
2. Father John Misty
1. Frank Ocean

Volker hat gesagt…

Ich Knn mit PJ Harvey nix anfangen, mit Cat Power nicht und auch hier muss ich passen. Mein Song des Albums nicht "Magic Chords" (viel zu bluesig), sondern "All I Can"

5,5

Oliver Peel hat gesagt…

Dann hör einfach weiter Lena oder Amanda Mair, Volker!

8 Punkte