Montag, 12. März 2012

Mia. - Tacheles























Tacheles müssen wir jetzt nicht mit Mia. reden, aber konstatieren, dass die Entwicklung, die sie mit "Willkommen im Club" (2008) einschlugen, fortgeführt wird. Und das letzte Album kam hier im Schnitt nur auf 6,375 Punkte!
Weiter geht's im freien Fall Richtung Elektro-Pop und Dancefloor. Als abschreckende Songs seien hier "La Boom" mit seinen üblen Videospiel-Soundeffekten und "Musik" genannt, denn auf verzerrte Gesangsstimmen können wir schon eine ganze Weile gut verzichten.

Für ihr fünftes Album ließen sich Mia. erstmals mehr als 2 Jahre Zeit und neben dem Wechsel des Labels gibt es mit Ingo Puls auch einen Abgang zu vermelden.
Die Vorab-Single "Fallschirm" konnte in meinen Ohren nicht so überzeugen wie zuvor "Hungriges Herz", "Tanz der Moleküle" oder "Mein Freund", die den letzten Alben voran gingen. Wer dachte, dass mit dessen doppeldeutigen (aber eher peinlichen als kecken) Text und dem dazu (un)passenden Gestöhne und Gehauche ein Tiefpunkt erreicht ist, der sollte "Der Einzige" einmal hören. It's really too bad, Baby.

Politische Themen werden nicht mehr angeschnitten, dafür dreht sich alles um Liebe und Beziehung. Am häufigsten dürfte die Sängerin in Interviews sicherlich auf "Die Frau" angesprochen werden: Was wie ein Schlager in Roland Kaiserschem Sinne beginnt, entwickelt sich zu einem Song über gleichgeschlechtliche Liebe und dürfte zu Fragen provozieren in wie weit es sich hier um ein persönliches Erlebnis der Sängerin handelt. Mir stellt sich jedoch höchstens die Frage, warum eines der wenigen Highlights des Albums nur ein Bonus-Track ist.
Hinzu gesellen sich jedoch noch das eingängige "Sturm" als weiterer Singe-Kandidat, das balladeske "Brüchiges Eis" sowie "Aufruhr", bei dem sich die Gitarre endlich einmal gegen das Elektrogeplucker und Synthiewabern erhebt.

Schön hässlich ist die limitierte Super Deluxe Version mit handsignierter Leinwand, Tragetasche, 12 Hochglanz-Bandfotos, 3 CDs und DVD geworden, die man für über 80,- Euro erwerben kann. Wer soll sich diesen Picasso für Arme denn aufhängen?



»Tacheles«. Bei diesem Wort assoziiert der Leser klare Sinnzusammenhänge: Die Wahrheit sagen. Ehrlich sein. Missstände zur Sprache bringen. Mieze, Hauptperson auf dem neuen MIA.-Album, versucht wahrscheinlich, genau diese Dinge aufzugreifen. Gewissheit gibt es beim Hören der Songs allerdings nicht. Eher hagelt es Plattitüden und hohle Phrasen. »Ich stemme mich gegen den Wind. Will nur nach vorn und nie zurück«, aber doch immer »bei dir« sein. Es sei ihre Platte und eine ganz persönliche noch dazu, berichtet die Sängerin. Sie habe ihr Innerstes nach Außen gekehrt, so Mieze. Was an Allgemeinplätzen wie diesem intim sein soll, ist fraglich. Die Single »Fallschirm« gefällt sich mit niedlichen Zweideutigkeiten und deckt damit den zweiten Themenbereich des Albums ab: Neckische Spielereien mit sexuellen Andeutungen. In den Texten wird nackt durch den Wind gerannt, »bis jede Faser Feuer fängt«. Überhaupt liegt darin der zentrale Aufruf des Albums: Ich kann nicht allein sein mit meiner Gänsehaut. Dazu gibt es elektronischen Disco-Pop mit leichten Indie-Rock-Sprengseln. »Rien Ne Va Plus« gelingt in der Hinsicht noch ganz gut und versucht sich an verspulten Radiohead-Melodien und traurigem Klavier-Geklimper. Hätten MIA. nicht das Pfund einer Sängerin, deren berliner Zungenschlag unverkennbar ist, wären sie vermutlich schon längst im weiten Meer der Deutsch-Pop-Bands versunken. So herausfordernd wie der Titel des Albums die Songs darstellen will, so mager bleibt am Ende die Massage.

Mia. kommen erst Ende des Jahres auf Tour:

02.11.12 Erfurt, Stadtgarten
03.11.12 Offenbach, Stadthalle
08.11.12 Köln, Palladium
09.11.12 Hannover, Capitol
10.11.12 Magdeburg, AMO
15.11.12 München, Muffathalle
16.11.12 Stuttgart, Liederhalle
17.11.12 Oberhausen, Turbinenhalle
23.11.12 Bamberg, Stechert-Arena
07.12.12 Dresden, Schlachthof
08.12.12 Leipzig, Haus Auensee
14.12.12 Hamburg, Docks
15.12.12 Berlin, C-Halle


3 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Das schwächste Album bisher von Mia.

6,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

6 Punkte

U. hat gesagt…

Besser als Madonna. 5 Punkte.