Donnerstag, 15. März 2012

The Cranberries - Roses

























Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder? (I)

The Cranberries gründeten sich 1989 unter dem Namen The Cranberry Saw Us in Limerick, Irland. Dolores O'Riordan (Gesang, Gitarre), Noel Hogan (Gitarre), Mike Hogan (Bass) und Fergal Lawler (Schlagzeug) verkauften weltweit mehr als 30 Millionen Platten. Ihr erfolgreichstes Album war "No Need To Argue" (1994), das mit "Zombie" auch eine ihrer beiden Nummer-Eins-Singles beinhaltete ("Salvation" war zwei Jahre später die andere).
2003 sollte nach 5 Alben das Ende der Cranberries kommen. Dolores O'Riorden veröffentlichte noch zwei wenig erfolgreiche Solo-Alben.

Nach einigen Reunion-Konzerten in den letzten Jahren gibt es nach fast 11 Jahren nun mit "Roses" wieder ein neues Album der Band. Zusammen mit dem Produzenten Stephen Street (The Smiths, Morrissey, Blur, Kaiser Chiefs), der auch schon an den ersten beiden und dem letzen Album der Cranberries beteiligt war, entstanden 19 Songs, von denen sich 11 auf dem Album wieder finden.

"Roses" ist ein eher ruhiges und getragenes Album geworden, das genau so auch durchaus 1996 hätte veröffentlicht werden können und damals vielleicht einen schönen Gegenentwurf zu "To The Faithful Departed" dargestellt hätte, das krampfhaft den Erfolg von "No Need To Argue" zu wiederholen suchte. Markenzeichen ist natürlich Dolores O'Riordans Jodel-Gesang - und wer sich an den zahlreichen "Oooh-oooh-ooohs" und "Aaah-aaah-aaahs" in der Vergangenheit noch nicht satt gehört hat, findet hier Nachschub (z.B. "Tomorrow"). Gefühlvolle Folk-Balladen gibt es reichlich ("Raining In My Heart", "So Good"), hinzu kommen der ein oder andere Rocksong ("Schizophrenic Playboy") und einige hintergründige elektronische Spielereien ("Fire & Soul", "Losing My Mind"), denn man will ja nicht klingen wie Mitte der 90er. Tut man aber.

Man darf gespannt sein, wer das wirklich hören möchte.



"Roses" blüht eher im menschlichen Miteinander, handelt zum Beispiel im sexuell aufgeladenen "Schizophrenic playboy" von den Risiken eines One Night Stands - man weiß ja schließlich nie, in wessen Wohnung man sich begibt. "Tomorrow" schlängelt sich am altbekannten Carpe-Diem-Thema entlang, erzählt von Veränderungen und Reisen, vom Aufbruch, während "Roses" mit sanfter Akustikgitarre hingehaucht feststellt: "Life is no garden of roses / More like a thistle in time." Jaja, das Leben kann ganz schön kratzig sein. Aber auch Rosen verwelken irgendwann. So also der düstere Schluss dieses ansonsten recht zahmen Albums. Es sind demnach die albekannten Beziehungsthemen, die Dolores O'Riordan und Kollegen hier neu ausleuchten wollen. Klappt aber nicht so ganz.

"Roses" beschreibt letztendlich also keine neuen Geschichten, hat keine großen Hits, zeigt - bis auf einige wenige Elektronikeinflüsse in "Fire & soul" - keine dezidiert neuen Seiten dieser Band. Das ist vielleicht auch gut so. Statt dessen ist das sechste Studioalbum der Cranberries charmant unaufgeregt und hält sich weitestgehend aus irgendeinem aufgeblasenen Reunion-Drama heraus. O'Riordan hat ihr Gejodel mittlerweile viel besser im Griff als früher und drückt dem Hörer ihre politischen Ambitionen nicht mehr so arg aufs Gesicht. Nur in "Losing my mind" treibt sie es etwas zu weit, aber das passt dann ja auch schon wieder irgendwie zum Titel. Damit ist "Roses" eine nette, aber auch überflüssige Platte geworden.

Nur ein Deutschland-Termin für die verbliebenen Cranberries-Fans:

25.06.12 Berlin, Zitadelle

5 Kommentare:

gudrun.thaeter hat gesagt…

Ich habe mir in alter Verbundenheit die Platte geordert. Beim anhören kamen mir ähnliche Gedanken: das ist wie "damals", manches ganz nett aber es passt nicht mehr zu mir. Ich gebe also maximal 5 Punkte und die CD wird nicht in meinem Plattenregal verbleiben.

Ingo hat gesagt…

6 Punkte, weil ich die alten Alben lange nicht gehört habe...

Volker hat gesagt…

Man könnte es sich einfach machen und das leichte "Opfer" Cranberries abwatschen, man kann als Freund der ersten beiden Alben aber auch zugestehen, dass dieses das wahrscheinlich geschlossenste Werk seit "No Need To Argue" ist.


6,5 Punkte

Michael hat gesagt…

Unter Annahme des günstigsten Falles, d.h. wenn man die Cranberies bisher noch nicht kennen würde (wenn es denjenigen überhaupt gibt):

Mehr als

5 Punkte

gibt es nicht (weil man sie kennt sogar eher weniger)!

Dirk hat gesagt…

Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder? (1)

Von mir kommen keine Rosen, aber immerhin

6,5 Punkte