Donnerstag, 26. Januar 2012

Youth Lagoon - The Year Of Hibernation























Viele von uns, zumeist Freunde von Listen und Statistiken, übertragen die Daten ihrer gehörten Songs bei last.fm. Das tun bekanntlich noch viele andere Menschen und daher verwundert es nicht, dass last.fm nun die Hörgewohnheiten des letzten Jahres in einigen amüsanten Statistiken erfasst. Leider fehlt eine Auflistung der beliebtesten Platten, aber ein Blick auf die Künstler mit den meisten Hörern (Adele vor Lady Gaga und Foster The People) lässt auch Schlussfolgerungen zu.
Das "Jahr in Musik" zeigt graphisch, welche Auswirkungen zum Beispiel der Tod von Amy Winehouse auf die Hörgewohnheiten der Scrobbler hatte. Sehr amüsant, also die Grafiken und nicht ihr Tod.
Kurios ist die Liste der Neuentdeckungen: Denn dort führt vor dem "neuen" Künstler Noel Gallagher's High Flying Birds und der armen / unsäglichen Rebecca Black eine Band namens Youth Lagoon.

Hinter Youth Lagoon verbirgt sich der 22jährige Trevor Powers aus San Diego, Kalifornien. "The Year Of Hibernation" wurde über Fat Possum Records im September veröffentlicht und war einige Monate später auch in Deutschland erhältlich. Passend zum Albumtitel sind wir aber erst jetzt erwacht und begrüßen "Das Jahr des Winterschlafs" eben 2012.
Der verhaltene / verhallte / verzerrte Gesang von Powers mag vielleicht beim Hören weder einem weiblichen, noch einem männlichen Ursprung eindeutig zugeordnet werden. Die Platte liefert in etwas mehr als einer halben Stunde 8 schön traurige, verträumte / einlullende Lieder, die mit dem Stempel "Dreampop" oder "Chillwave" versehen werden dürfen. Mehr geboten bekommt man beim Kauf des Vinyl: Neben dem Download-Code ist eine Single mit zwei Bonus-Tracks ("Bobby" und "Ghost To Me") beigefügt, die sich nahtlos in den Klang und das Niveau des Albums einfügen.



Zu hören bekam man melancholischen Indie-Pop, bei dem Sänger Trevor Power aus der Ferne singt, um seinen zerbrechlichen Stimmklang möglichst bescheiden auf einen Lo-Fi-Sound zu betten. Einen Sound, der mal verschwommen, mal klar und mal kraftvoll elektrisierend ist.

Youth Lagoon holt den Hörer aus dem Einschlafmodus im Schlafzimmer und führt ihn dann zum Küchenfenster, das einen bewölkten Sternenhimmel rahmt. Dann befiehlt er einen "Year of Hibernation"-langen Blick in die Ferne und lässt den Hörer dann ganz beruhigt schlafen gehen...


Erst nach mehrmaligem Hören erschließt sich einem die düstere Ebene dieses Albums. Zunächst bleibt einem der in Zuckerwatte gebettete Lo-Fi-Sound im Ohr kleben, doch keine Angst: Medizinische Tests belegen, dass im Gehörgang keine Kariesgefahr droht. Besonders nicht bei diesen Melodien, die zwar zuckersüß daherkommen, aber dennoch gewisse Spannungsbögen wie in "July" aufweisen. Genau im richtigen Moment setzen die elektronischen Drums ein, um dem weichgezeichneten Gesamtbild zumindest ein paar Konturen zu verleihen.

Oftmals schleicht sich das Gefühl ein, als blättere man durch vergilbte Fotoalben. Vor allem Songs wie "Posters" und "Seventeen" sind von einer solchen Nostalgie durchzogen, dass man denkt, Powers' Kindheit sei bereits etliche Jahrzehnte her. Dabei ist der Mann gerade mal 22 Jahre alt. Noch so jung, doch so gut. Ein Mario Götze des Dream Pop, der mit androgynem Gesang und Textzeilen wie "Don't stop imagining / The day that you do / Is the day that you die" zu begeistern weiß.

Youth Lagoon auf Tournee:

24.02.12 Köln, Gebäude 9
28.02.12 München, 59:1
29.02.12 Berlin, Postbahnhof
04.03.12 Hamburg, Molotow

5 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Der "Viele von uns"-Link hat mich erst ziemlich verwirrt, bis ich gemerkt hab, dass es "Viele" "von" "uns"-Links sind... Sehr schön!

Dirk hat gesagt…

Ein paar neue Gerichtstermine hinzugefügt, u.a. mit Feeder, Miike Snow, Enno Bunger, Lost In The Trees, The Shins, Graham Coxon und Santigold.

noplace hat gesagt…

eine der besten platten des letzten jahres.

[b]8 punkte[/b]

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Wenn einem früher Moby gefiehl, dieser einem heute abr zu uncool ist - dann bitte zu dieser Platte greifen.

5 Punkte