Samstag, 14. Januar 2012

Diagrams - Black Light























Sam Genders musizierte einstmals bei Tunng, erreichte mit deren "Comments Of The Inner Chorus" 2006 den ersten Platz bei Platten vor Gericht, verließ die Band aber vor einigen Jahren und prompt konnte deren letztes Album "...And Then We Saw Land" nicht mehr vollkommen überzeugenden.
Er ließ von der Musik in den kommenden Jahren ab, arbeitete wieder in seinem früheren Beruf als Lehrer, denn irgendwo her muss das Geld schließlich kommen. Erst in den letzten beiden Jahren nutzte er die Zeit nach der Schule (und dem benötigten Mittagsschläfchen, den zahlreichen Korrekturen und der Unterrichtsvorbereitung), um gemeinsam mit dem Produzenten Mark Brydon (Moloko) und zahlreichen Freunden das Debütalbum von Diagrams einzuspielen.

Sam Genders' warme Stimme lässt natürlich vom ersten Ton an Tunng denken, und auch musikalisch ist er nicht so weit vom Folktronic seiner früheren Kollegen rund um Mike Lindsay entfernt. Die Akzente sind jedoch leicht Richtung vielschichtiger, jedoch synthetischer Klänge verschoben und die Grooves dürfen gelegentlich funky und die Bläser jazzig sein.
"Black Light" ist ein ruhiges, entspanntes und psychedeliches Folk-Pop-Album geworden, das mich häufig an die letztjährigen Alben von Gruff Rhys und Elbow erinnert. Und das sind schließlich nicht die schlechtesten Referenzen.
Ein gelungener Einstand für Diagrams und das Musikjahr 2012 mit der ersten tatsächlichen Platte dieses Jahrgangs.



Da ist zwar Folk ebenso wie eine große Kugel Pop drin, aber eigentlich ist es viel zu verwoben und verschachtelt hierfür. Folk-Pop versetzt mit psychodelischen Momenten. Einfühlsam aber auch fordernd. Und doch ist es so eingängig, dass man das Album kaum aus dem Player bekommt. „Black Light“ entfaltet gelinde gesagt eine fast schon hypnotisierende Wirkung. Dies liegt zum einen an den schon beschriebenen Merkmalen Genders: der Stimme und dem Songwriting. Aber auch die Umsetzung tut einiges hierfür. An den richtigen Stellen sind Bläser zu vernehmen, dann wieder Streichinstrumente und wenn es sein darf ist die Gitarre auch am werkeln. Oder die von ihm aus früheren Zeiten bekannten elektronischen Zutaten. Immer stets an den richtigen Punkten untergebracht und genaustens dosiert. Dies zusammengesetzt mit diesen funkig und groovig überzogenen Melodien… Fertig ist ein Klasse-Album zwischen Sufjan Stevens, Hot Chip, Metronomy und dem guten alten Peter Gabriel, welches ein Lächeln beim Hörer hervorrufen wird und die trübe Jahreszeit in den Hintergrund drängt. Ein Album, bei welchem das Herz aufblüht!


10 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Die "Indiefolk-Version von Hot Chip" nannte es ein Konzertbesucher. Auch das Album könnte man so umschreiben. 8 Punkte

Marcel hat gesagt…

Ich kenne nix von Tunng, denke aber, Sam Genders konnte das mal besser. 5,5 Punkte.

Oliver Peel hat gesagt…

Welcher Konzertbesucher war denn das,Ingo? Hast du den passenden Bericht dazu?

Ingo hat gesagt…

@Oliver: Das war ein Kommentar im "Music weekly" Podcast des Guardian.
http://www.guardian.co.uk/music/series/musicweekly

Oliver Peel hat gesagt…

Habe Diagrams live gesehen und sie klangen deutlich weniger elektronisch als auf dem Album. Das Konzert hatte mit Hot Chip nix zu tun, das Album mitunter schon. Ich komme übrigens auch auf

8 Punkte

Julia hat gesagt…

Ich gebe mal 7 Punkte.

Volker hat gesagt…

Und ich hätte mir ein paar große Melodien mehr gewünscht. Schlecht ist natürlich anders.

6,5

Olly Golightly hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Kommt an die Großtaten von Tunng nicht heran, aber fast.

7,5 Punkte

U. hat gesagt…

6 Punkte.