Donnerstag, 15. Dezember 2011

Anna Ternheim - The Night Visitor



















Björk, PJ Harvey, Feist, Tori Amos - 2011 war ein Jahr, in dem vor allem Künstlerinnen von sich Reden machten. Aber es gab auch noch weitere relevante, weibliche Soloartisten über die hier bisher nicht gesprochen wurde. Also war es dringend an der Zeit ein paar Gespräche zu führen...


Christoph, wie und wann bist du auf Anna Ternheim aufmerksam geworden? Und gibt es einen besondern Anna Ternheim-Moment in deinem Leben oder ein Erlebnis, das du mit ihr verbindest?

Christoph: drei der wichtigsten Bands bzw. Musiker meines Lebens habe ich auf exakt dem gleichen Weg kennengelernt. Bei Hazel O’Connor, The Organ und Anna Ternheim kam der Tip eines Freunds: „hör dir das an, das wird dir gefallen!“ Für The Organ und Anna Ternheim war Oliver (Konzerttagebuch) verantwortlich. Da er meinen Musikgeschmack gut kennt, lag er vollkommen richtig.

Der mit Abstand schönste Anna Ternheim-Moment war während eines Interviews, das wir mit ihr im Kölner Stadtgarten geführt haben. Wir sprachen über deutsche Musik, und Anna stimmte plötzlich „Wind of change“ für uns an! Das besonderste Konzert war sicher ein ganz akustisches in einem kleinen Stadttheater in Nyköping in Schweden.


Anna Ternheim hat bisher 4 Alben veröffentlicht, wie ist ihre Quote in deinem Plattenschrank und wie würdest du das neue Album im Vergleich mit ihren früheren Werken einordnen?

Christoph: 4/4 natürlich. Die ersten beiden Platten gibt es glücklicherweise mittlerweile auch auf Vinyl, sodaß es eigentlich 8/4 heißen müsste.

The Night Visitor ist ein großer Wurf. Anna Ternheim ist am besten, wenn (akustische) Gitarre und Gesang deutlich im Vordergrund stehen. Daher ist Leaving on a Mayday, der Vorgänger zu The Night Visitor, nicht mein Liebling. Die aktuelle Platte ist sehr ruhig, betont die Stärken der Schwedin und passt daher nahtlos zu den ersten beiden Alben (bei denen die sogenannten Naked Versions, die abgespeckten Akustik-Bonusplatten wieder die Höhepunkte sind).


Mit welchen drei Wörtern würdest du jemanden von "The Night Visitor" zu überzeugen versuchen?

Christoph: Überzeugt Dich „singende blonde Schwedin?“


Welche(n) Titel aus "The Night Visitor" würdest du uns besonders ans Herz legen und warum?

Christoph: dazu muß ich etwas weiter ausholen… Ich bin großer Freund von Coverversionen, wenn sie denn gut sind. Problematisch finde ich es aber, bei Künstlern, die einem wichtig sind, die nachgespielten Stücke ganz besonders zu mögen. Bei Lieblingsmusikern sollte man schließlich gefälligst das eigene Material am meisten schätzen! Born slippy nuxx in der Get Well Soon Version, Frontwards bei Los Campesinos!, Anna Ternheims Shoreline sind zwar grandios, aber man sollte sie nicht zu sehr lieben, denke ich. Das gehört sich einfach nicht. Also nenne ich als „besonders ans Herz“ Kandidaten nicht das Duett The Longer the Waiting (The Sweeter the Kiss) von und mit Dave Ferguson.

Stattdessen nenne ich Walking Aimlessly, das auf der letzten Platte vermutlich überarrangiert worden wäre, hier aber trotz des Hintergrundgesangs fabelhaft ist. Auch Bow your head und andere hätten es verdient, herausgehoben zu werden, zur Zeit mag ich aber wohl Walking Aimlessly am (zweit)liebsten.


Björk, Feist, PJ Harvey, Kate Bush, Tori Amos... - 2011 scheint musikalisch ein Jahr der Frauen zu sein. Kann Anna Ternheim da mithalten und was waren aus dieser Riege deine 3 persönlichen Favoriten?

Christoph: das ist natürlich ein wenig Äpfel mit Birnen vergleichen; die musikalische Spanne zwischen den Damen ist ja recht groß. Da ich weder Björks, noch Kate Bushs und Tori Amos‘ Platten gehört habe, sind Feist, PJ Harvey und Anna Ternheim meine 2011er Favoritinnen. Aber alle drei sind natürlich auch herausragende Musikerinnen.


Vielen Dank für die Überzeugungsarbeit, Christoph!




Für ihr viertes Album „The Night Visitor“ hat Ternheim offenbar nur am Tag geschlafen. Die gemeinsam mit Matt Sweeney (Cat Power, Bonnie „Prince“ Billy) komponierten und vom früheren Johnny-Cash-Engineer Dave Ferguson produzierten Songs klingen trotz ihrer historisch beladenen Aufnahmestätte – die Songwritermetropole Nashville, Tennessee – aufregend unaufgeregt. Ihre feinfühligen Finger-Pickin-Balladen wie „What Remains?“ oder „Bow Your Head“ gehen ebenso zu Herzen, wie das alte Country-Folk-Duett mit Ferguson „The Longer The Waiting, The Sweeter The Kiss“. Ein ruhiges Album, wie aus einem Guss, wie gemacht für den Herbst.
(focus.de)

5 Kommentare:

Christoph hat gesagt…

So geht das. 9 Punkte

Volker hat gesagt…

Shoreline ist für mich, trotz oder gerade wegen der Cover-Versionen, der Höhepunkt ihres Schaffens. Das neue Album habe ich noch nicht ganz gehört.
Der Beginn der Platte (die ersten 3-4 Lieder) haben mich so gar nicht überzeugt, da hatte einiges fast so einen Blues-Touch, was bei mir für einen Song meist schon der Todesstoß ist. Wird das hinten raus besser?

Oliver Peel hat gesagt…

Ich brauche wohl das Liveerlebnis um richtig in Fahrt zu kommen. Bis dahin gibt es

-7- Punkte

aXel hat gesagt…

7.5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Der Zauber von Anna hat mich noch nicht eingefangen.
Mehr ist es daher leider nicht von mir...

6,5 Punkte