Freitag, 14. Oktober 2011

Noel Gallagher - Noel Gallagher's High Flying Birds



















"Noel Gallagher's High Flying Birds" ist nach dem Wohltätigkeitsalbum "The Dreams We Have As Children" (2009) im Rahmen des Teenage Cancer Trust die zweite Veröffentlichung, die als Interpret nur "Noel Gallagher" führt. Im Gegensatz zur eingangs erwähnten Live & Acoustic-Platte befinden sich auf dem neuesten Longplayer keine altbekannten Oasis-Songs. Nun gut, fast keine. Aber dazu später mehr.
Für 2012 ist bereits ein schon eingespieltes, weiteres Album mit dem Ambient-Duo Amorphous Androgynus angekündigt.

"Noel Gallagher's High Flying Birds" wurde zwischen 2010 und 2011 in London und New York unter Mithilfe von Dave Sardy, der auch schon "Don't Belive The Truth" und "Dig Out Your Soul" produzierte, aufgenommen. Unterstützt wurde Gallagher von Mike Rowe (Keyboard), der ebenfalls schon mit Oasis auf Tour war, Jeremy Stacey (Schlagzeug), Lenny Castro (Percussion), dem Crouch End Festival Chorus und den Wired Strings.
Neben den 10 auf dem Album befindlichen Songs gibt es für Fans und Sammler noch die Single-B-Seiten "The Good Rebel", "Let The Lord Shine A Light On Me" und "I'd Pick You Every Time" sowie die Zusatztracks "A Simple Game Of Genius" und "Alone On The Rope" zu entdecken.

Noel Gallagher gibt sich auf "Noel Gallagher's High Flying Birds" als elder Statesman des Britpop und zeigt, was in ihm steckt, wenn keine Brüder/Bandmitglieder mitreden und ihre Ideen/Songs ebenfalls auf einem Album unterbringen wollen. Der Telegraph fasst es passend zusammen:
Beady Eye sound like Oasis without the songs. High Flying Birds sounds like Oasis with a little twist of something different: charm. It is a kinder, gentler, more grown-up Oasis, freer in spirit, broader in outlook, richer in tone.


Also, Beady Eye, nehmt das:

Everybody's On The Run
Ein fulminanter Auftakt, der, so Noel im aktuellen NME, eigentlich das Album beschließen müsste. Da er aber gleich drei Songs dieser Kategorie habe (nämlich noch "(I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine" und "Stop The Clocks"), packte er ihn an den Anfang. Und so setzt er den Hörern erst einmal eine Hymne mit Sing-A-Long und größtmöglicher Wall of Sound (Streicher! Chöre!) vor.

Dream On
"Dream On" entstand am Ende der "Dig Out Your Soul" Sessions, ist ein klassischer Oasis Song in der Tradition von "She's Electric", hätte aber auf einem Oasis-Album sicherlich auf die Bläser (gegen Ende sogar recht jazzig) verzichten müssen und statt dessen eine gehörige Portion Gitarren hinzu gefügt bekommen.

If I Had A Gun...
Das Highlight der Platte, wenn auch als Single nicht so stark wie "The Roller" von Beady Eye (das ebenfalls bereits schon zu Oasis-Zeiten existierte und von dem Noel dachte, dass es (als Oasis-Song) eine sichere Nummer 1 werden würde). Auch Noel bevorzugte bereits zweimal andere Songs bei der Singleauswahl ("The Death Of You And Me" und "AKA... What A Life!"), obwohl "If I Had A Gun..." in den Sphären von "Wonderwall" oder "Champagne Supernova" (ohne dessen fulminantes und lang gezogenes Ende) schwebt.



The Death Of You And Me
Die Vorab-Single des Albums verschmilzt "The Importance Of Being Idle" mit The Beatles / The Kinks und fügt diesem durch die jazzigen Bläser einen unerwarteten New Orleans-Touch hinzu. Großartig.

(I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine
Einer von zwei Songs, die Oasis Fans bereits bekannt sein dürften, denn "(I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine" wurde bereits für "Don't Belive The Truth" und später noch einmal für "Dig Out Your Soul" aufgenommen. Jedoch nie zu Noels Zufriedenheit.
Einer von fünf Songs, die als Treffer auf der ersten Seite des Albums bezeichnet werden können. Rundet mit seinen Chören und den groß aufspielenden Streichern perfekt das ab, was der Opener begann.

AKA... What A Life!
Die zweite Single und zugleich der ungewöhnlichste Song auf der Platte. "AKA... What A Life!" bietet, was für Noel Gallagher nicht außergewöhnlich ist, einen Refrain für den andere töten würden, setzt jedoch auf tanzbaren Disco-Pop. Irgendwo zwischen "Summer Son" (Texas) und "Setting Sun" (The Chemical Brothers).



Soldier Boys And Jesus Freaks
60er Jahre Flair (die Kinks lassen erneut schön grüßen), dazu erneut Trompeten und der erste Song, der mit den vorherigen nicht mithalten kann. Bestenfalls Noel-Standard.

AKA... Broken Arrow
Gitarren-Pop, der sich für Gallagher so wie The Smiths anhört. Er versuchte auch Johnny Marr als Gitarristen für diesen Song zu verpflichten, was jedoch aus terminlichen Gründen nicht funktionierte. Mehr Gitarren und weniger Keyboards hätten "AKA... Broken Arrow" gut getan. Bestenfalls Noel-Standard, Teil Zwei.

(Stranded On) The Wrong Beach
Kurz vor Schluss gibt es dann doch noch ein wenig Glam-Rock. Polternde Drums, Handclaps und Gitarren, deren Verstärker zumindest auf 10,5 gestellt sind. Des Wellenrauschens am Ende hätte es nicht bedurft.

Stop The Clocks
Auch "Stop The Cloks" kursierte schon lange im Internet und war, obwohl nicht darauf enthalten, Namensgeber der Oasis Best-of. Ähnlich wie bei "(I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine" dachte Gallagher wohl "jetzt oder nie" und erfüllte zahlreiche Fan-Wünsche, die sich beide Songs endlich in einer finalen Version ersehnten. Jedoch kann der Song die Erwartungen an das Mysterium "Stop The Clocks" letztendlich nicht vollkommen erfüllen. Die 5-Minuten-Marke wird wieder gesprengt, es gibt erneut jubilierende Chöre und Bläser sowie ein fulminantes, kakophonisches Gitarren-Krach-Saxofon-Noise-Ende.

Man muss ein wenig suchen, um eine mäßige Kritik zu finden:
Dazu mag der 44-Jährige seine eigene Stimme nicht recht leiden. Doch anstatt sie zu vernuscheln, singt er gegen sie an. Es geht meistens recht laut zu auf diesem Album. Obwohl die Oasis-typischen Breitwandgitarren fehlen. Dafür gibt es viele Streicher, viele Chöre, viele Bläser – und einen „Lyla“ -artigen Stampfrhythmus, der fast das ganze Album durchbummst und die Songs einander sehr angleicht. Aber auch kompositorisch wirken die Stücke trotz ihrer langen Entstehungszeit wie aus einem Wurf: keine Balladen, keine Rocker, alles Midtempo-Nummern. Einzig „AKA … What A Life!“ mit seinem von Rhythim Is Rhythim inspirierten House-Piano hebt sich von seinem Umfeld zumindest stilistisch ab. Und erst die Texte: Lehnte Galla­gher vor Jahren noch den mittlerweile von Beady Eye aufgenommenen Andy-Bell-Song „ Millionaire“ aufgrund dessen platter Zeile „You just need to know yourself“ ab, singt er jetzt Träumerle-Klischees wie „Let me fly you to the moon“, „Keep on chasing down that rainbow“ und empfiehlt wie seit Jahr und Tag: „ Gotta be strong, gotta hold on“.

Aber genug der Schelte. Denn natürlich kann der Mann, der einst am Fließband Generationenhymnen schrieb und mit seinen Beiträgen die letzten Oasis-Alben immer noch auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau hielt, gar nicht voll danebenhauen: Die Kinks-y Single „The Death Of You And Me“ ist vielleicht sogar noch gelungener als das artverwandte beste Oasis-Stück der Nullerjahre, „The Importance Of Being Idle“. Zum erhebenden „Dream On“ kehrt kurz der Sommer zurück und beim wehmütigen „Everybody’s On The Run“ will man Gallagher trotz schwacher Lyrics tröstend in den Arm nehmen.

Noel Gallagher hat einen Sound gefunden, in dem er alt werden kann, ohne Gefahr zu laufen, berufsjugendlich zu werden. Und so vorhersehbar folgender Satz sein mag, man kommt nicht um ihn herum: Ein Best-of des Beady-Eye-Albums und von diesem hier hätte zusammen eine großartige Oasis-Platte ergeben.
(musikexpress.de)

Noel Gallagher in Deutschland:

04.12.11 Köln, Palladium

8 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ich bin bisher sehr begeistert, wenn ich auch ganz andere Höhepunkte höre als du. Gerade der Dreier von "Record Machine, dem schwächsten Song des Albums bis zu "Freaks" ist doch etwas öde. Aber der Rest ist wirklich großartig und ich hatte bei AKA Broken Arrow sofort das Gefühl den song zu kennen. Ist das die Gitarre aus Hurricane #1's "Step into my world"?

Ingo hat gesagt…

Ist halt das ca. viertbeste Oasis-Album. 7 Punkte

Volker hat gesagt…

Kaum Punkte bei Noel bisher?
Ein wenig überraschendes und deshalb tolles Album. Ich hätte geschworen, Liams Stimme würde mehr fehlen, das tut sie aber eigentlich nur an wenigen Stellen.
Hätte er das Album jetzt noch mit "A Simple Game Of Genius", "The Good Rebel" und "I'd Pick You Every Time" aufgepimpt, hätte er bei mir gute chancen auf Platz 1 gehabt.

8,5

Olly Golightly hat gesagt…

8 Punkte

noplace hat gesagt…

hat ne zeitlang schon spaß gemacht. ohne sonne aber fetzt das nicht so.

7 Punkte

U. hat gesagt…

8 Punkte. Ich bin selbst überrascht.

aXel hat gesagt…

Ein Gallagher in meinen Top 10? Das ist lange her, ich glaube, das hat zuletzt Rory geschafft...und jetzt Noel: 8.5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Mein "Album des Jahres" erhält:

9,5 Punkte