Donnerstag, 22. September 2011

Ladytron - Gravity The Seducer



















Es ist ein bewährtes Mittel, den ein oder anderen neuen Song einer Best of-Zusammenstellung hinzu zu fügen, damit auch die treuen Fans einen Kaufanreiz geboten bekommen. Im Frühjahr 2011 war dies bei Ladytron, neben einer Coverversion von Death In June ("Little Black Angel"), die wenig überzeugende Single "Ace Of Hz".

Ärgerlich (und teuer), wenn bereits 6 Monate nach dieser Compilation ein neues Album in den Handel kommt, auf dem sich dieser exklusive Song ebenfalls befindet.
Noch ärgerlicher, wenn dieser (wenig überzeugende) Titel dann das beste Lied der Platte darstellt.

Ansonsten liefern Ladytron auf ihrem fünften Album "Gravity The Seducer" das gewohnte Klangbild ab, auch wenn das Ziel eher Richtung Dreampop als zu Disco tendiert, nur die tollen, mitreißenden Songs fehlen leider. Die Single "White Elephant", die gleichzeitig den Opener bildet, dürfte hierfür als Beweis ausreichen, denn in der Regel werden für diese Aufgaben die stärksten Songs ausgewählt. So wabern die Synthies verträumt bis belanglos vor sich, während die 80s-Retro-Maschine auf vollen Touren läuft und neben drei Instumentals zumindest zwei Songs mit einem gewissen Wiedererkennungswert ausspuckt ("Mirage" und "White Gold").



Mit dem hymnischen Gewicht der Songs von "Witching hour" oder "Velucifero" hat das fünfte Album der Liverpooler dennoch nur noch wenig gemein. "Gravity the seducer" neigt zum Ätherischen, zum Wolkigen, zum Verhuschten. Die dazu passende Trägheit der Rhythmen gemahnt neben den hoffnungsarmen Harmonien deutlich mehr als zuletzt an deutsche Elektronik der Sieb- und Achtziger. Selbst wenn die Beats mal Fahrt aufnehmen, sorgt die distanzierte Melodieführung für kalte Schauer.

Dennoch gehört es zur Kunst von Ladytron, sich nicht mit Kälte und Dramatik (oder gar mit bloßer Nostalgie) zu begnügen. Sie kriechen mit Songs wie "Ambulances" und "Melting ice" unter die Haut der Träumer, nicht ohne den Bewegungswillen der Schwarzkittel zu kitzeln. Immer wieder lassen sie zudem kleine Details einfließen, die analoge Wärme verbreiten. Sei es der Heimorgel-Nachdruck aus "Ritual", das verwackelte Klavier aus "Moon palace" oder das wiederkehrende Bontempi-Schubbern, das als Rhythmusgeber die Prägnanz eines fluffigen Wattebauschs verbreitet. Doch das antriebslose Schweben ist kein Nachlassen; die vermeintliche Indifferenz ist dem Grundgefühl von "Gravity the seducer" mehr als angemessen. Wer sich von der Schwerkraft verführen lässt, schwebt willig danieder.
(plattentests.de)


4 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Bei aller Liebe, mehr Punkte sind einfach nicht drin:

6,5 Punkte

Christoph hat gesagt…

Bei aller Liebe, mehr Punkt sind einfach nicht drin:

6,5 Punkte

Wo Du recht hast, Dirk, hast Du recht!

Es fängt zwar mit einem 9,5 Punkte Lied an, hält das Versprechen aber nicht.

U. hat gesagt…

Enttäuschend. 6 Punkte.

aXel hat gesagt…

5 Punkte