Sonntag, 14. August 2011

John Maus - We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves



















John Maus, ein 31jähriger amerikanischer Komponist, der Musik und Philisophie studierte, wird mit seinem dritten Album in einigen Blogs über den grünen Klee gelobt. Warum, das erschließt sich mir bisher nicht.

Maus interessierte sich zunächst verstärkt für experimentelle elektronische Musik im Stile von John Cale, orientierte sich dann aber zunehmend Richtung Pop Musik und so hören wir auf "We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves" dann 80er Synthie-Pop, der uns dessen trashigste Momente (Gazebo, F.R. David, Modern Talking) neu durchleben bzw. -leiden lässt oder auch dem Geiste von Jan Hammer entsprungen sein könnte.
Würden plötzlich Madonna oder Kim Wilde anfangen zu singen, es wäre weder Überraschung noch Stilbruch ("Keep Pushing On"). Erklängen "...And The Rain" oder "Head For The Country" plötzlich in einer TV-Wiederholung von "Beverly Hills Cop" oder "Miami Vice", man nähme es vielleicht gar nicht zur Kenntnis.
Hört man John Maus dann aber tatsächlich selbst singen, ist die Verwunderung groß, denn der Mann rezitiert melancholische, düstere Texte über die fröhlich vor sich hin pluckernden Synthie-Klänge und versucht dabei wie ein Ian Curtis mit mehr Schmelz in der Stimme zu klingen. Das muss dann wohl Gothic-Synthie-Pop sein.

Vielleicht lasse ich "We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves" jetzt direkt noch einmal laufen, um hinter das Geheimnis dieser Platte zu kommen. Die Platte dauert schließlich auch nur etwas mehr als 30 Minuten und man soll ja nicht vorschnell aufgeben.

Sein ungewöhnlichstes Merkmal ist seine seltsame Slogan-Sprache in den Texten. Einen Song mit dem ohnedies schon eigenartigen Titel "Don’t Be A Body" beginnt er mit den Zeilen "Sex with car / Sex on top of car / Sex inside of car / Sex with movie star / Sex with Ringo Starr". "Rights For Gays", einer seiner Quasi-Klassiker, wiederholt unzählige Male die titelgebenden Worte, gebrochen nur durch (offensichtlich als denunzierend intendiertes) homophobes Gestammel.

"Ich weiß nicht genau, ob es Beckett war oder jemand anderer, der sagte, Worte seien das Schlimmste, was der Musik je passiert ist. Das macht für mich Sinn", erklärt Maus. "Andererseits bin ich in einer Situation, wo ein Teil des Puzzles des Musikmachen darin besteht, Worte zu finden. Oft kommt es auf eine einzige Zeile hinaus. Mein Bruder nennt das ein Mantra"

Auch auf "We Must . . ." findet sich ein solcher Einzeiler: Im allerdings nur 1:16 Minuten langen "The Crucifix" singt er, der schon im geschmacklich einigermaßen anfechtbaren Video zu "Tenebrae" eine Faszination für Kreuze erkennen ließ: "Saw a crucifix". Das bereits erwähnte "Cop Killer" vertraut ebenfalls der Suggestivkraft der Reputation, ansonsten hat man es hier mit einer vergleichsweise ausformulierten Platte zu tun: Klaustrophobische Angstgefühle verbreitet der beste Song "Head For The Country", Romantik eine kompetente Coverversion der Freistil-Chanteuse Molly Nilsson ("Hey Moon"), während das zügige "Quantum Leap" und das insistente "The Believer" von einer vagen Bestimmung künden, die unseren Helden auf Kurs hält, was immer an Ungemach seines Weges kommen mag . . .
(wienerzeitung.at)