Montag, 4. Juli 2011

Danger Mouse & Daniele Luppi - Rome



















Die erste Vorladung (VII)

Personalien:
Wenn Brian Joseph Burton die Rolle der Danger Mouse, der fast perfekten musikalischen Allzweckwaffe (Musiker, Songwriter, Produzent) inne hat, die oft in prekäre Situationen gerät, sich jedoch immer wieder geschickt herauswindet (Gorillaz, Gnarles Barkley, Broken Bells usw.), weil sie gegen das Böse auf der Welt (egal, ob im Radio, im TV, auf Plattenspielern oder MP3-Geräten) zu kämpfen hat. Dann müsste eigentlich Daniele Luppi, ein bekannter italienischer Soundtrack-Komponist (u.a "Nine", "Sex And The City"), in der Rolle des feigen und ungeschickten Hamsters namens Lübke zu sehen sein.
Ganz so wie in der Zeichentrickserie "Danger Mouse", die man in den 80er Jahren bei Spaß am Dienstag in der ARD sehen konnte, dürften die Rollen bei diesem Projekt dann aber doch nicht verteilt gewesen sein.

Tathergang:
Mehr als 5 Jahre arbeiteten Danger Mouse und Daniele Luppi an der Umsetzung ihrer von der Musik der Spaghetti Western inspirierten Ideen. Aufgenommen wurde das Album mit altem, analogen Equipment in Italien, unterstützt wurden sie nicht nur von Norah Jones und Jack White, sondern auch von zahlreichen klassischen Musikern, die auch schon zusammen mit Ennio Morricone oder Piero Umiliani arbeiteten und teilweise aus dem Ruhestand geholt werden mussten.

Plädoyer:
"Rome" bietet 15 Titel, darunter 3 kurze, instrumentale Zwischenspiele, zwischen der musikalischen Leichtigkeit von Airs "Moon Safari", der Düsternis eines David Lynch Soundtracks und der Grandezza eines großen klassischen Werkes von Ennio Morricone. Erfreulich, dass sich sowohl Norah Jones als auch Jack White mit ihren jeweils drei Gesangsbeiträgen, die doch recht weit von ihrem ursprünglichen Metier entfernt liegen, in das allgemeine Stimmungsbild eines zeitgenössischen Westerns integrieren konnten. "Rome" bietet orchestralen Pop ohne Ecken und Kanten - nur für die passenden Bilder im Kopf muss man selbst sorgen.

Zeugen:
Das Engagement von White zum Beispiel, setzt einen gelungenen Kontrapunkt, zum – sich melodisch – eher in ruhigeren Fahrwässern bewegenden Sound. Norah Jones als seine Gegenspielerin ist eine kleine Überraschung. Ihre harmlose Erscheinung erfährt auf "Rome" eine nennenswerte Wandlung: Weder träumerisch noch wehleidig oder pseudo-soulig gibt sich die amerikanische Songschreiberin. In einem Song wie "Problem Queen", ein Titel, der gerade zur zarten Seele so gar nicht passen will, entpuppt sich die 32-Jährige als wahrer Ohrenschmaus mit ihrem lapidaren, dabei jedoch konstant fesselndem Gesang.

Zwar halten sich Instrumental- und Vocal-Tracks die Waage, dennoch springen die Songs – provoziert durch zahlreiche Interlude-Interventionen – allzu häufig zwischen pop-durchtränkten und orchestralen Songs hin und her. Ungeachtet der Highlights, die freilich überwiegen, bieten Luppi und Burton äußerst leichte Kost an. Kaum Irritierendes verirrt sich auf der Songsammlung. Kein Ton, keine Melodie reißt die Herrschaft an sich: melancholisch, düster und bezaubernd unaufgeregt.

Die große Leistung von "Rome" ist es, dass die fünfzehn Stücke keineswegs stupide abgekupfert sind. Dass auditive Hommagen ihre Inspirationsquelle offen legen, darf und muss im Falle von Danger Mouse und Daniele Luppi als Qualität ihrer neuen Western-Songs gewertet werden. Ohne elektronische Studio-Tricksereien erschaffen die Beiden ein nostalgisches Album, welches der Opulenz die kalte Schulter zeigt. Ein kleines Pop-Meisterwerk, zu dem der Film bisher noch nicht geschrieben wurde. Ein talentierter Regisseur ist ja bereits Teil des Projekts.
(motor.de)

Indizien und Beweismittel:


Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...

6 Kommentare:

Volker hat gesagt…

"Rome" habe ich zweimal gehört und finde es genauso belanglos wie das letztjährige Projekt, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe und im Jahr zuvor "Dark Night Of The Soul". Dangermouse Produktionen gehen wohl einfach nicht an mich.

5,5

Norah Jones wird meiner Meinung nach übrigens zum einen unterschätzt und zum anderen wird sie von vielen, die sich nie mit ihrem Werk auseinandergesetzt haben, beim Erscheinen auf irgendeinem Album entweder a) direkt als Störfaktor (z.B. auf dem letzten Belle and Sebastian Album zu Unrecht) oder b) als unerwartet positive Überraschung wahrgenommen. Mit Beidem wird man ihr nicht wirklich gerecht.´

Ich gebe aber zu, dass ich vor solchen Mechanismen auch nicht gefeit bin, als ich Jack White gelesen habe, habe ich auch das Gefühl gehabt umgehend würden sich Pusteln bilden...

Dirk hat gesagt…

Passen dazu meine Top 3* der schrecklichsten / nervigsten Belle & Sebastian Lieder:

3. Legal man
2. Sukie in the graveyard

1. Little Lou, ugly Jack, Prophet John

(Die Lücke soll den großen Abstand verdeutlichen)

*(mehr konnte ich wirklich nicht finden)

Volker hat gesagt…

Der Song ist sooo toll und di andren beiden auch nicht schlecht. Da fallen mir einige Lieder ein, die mir weniger zusagen von B&S

Dirk Those Dancing Days 9 Euro ok?

Das Trio hat gesagt…

Die Platte gefällt mir - auch wegen Jack White und Norah Jonas - richtig gut. Die Stimmung, die sie transportiert, liegt mir einfach. Vielleicht liegts ja tasächlich am unsäglich oft zitierten Leone-Einfluss ;)

9/10

Dirk hat gesagt…

Diesen Film muss ich nicht allzu oft sehen.

6,5 Punkte

U. hat gesagt…

Rome toll, Jack White weniger. 8 Punkte.