Mittwoch, 29. Juni 2011

EMA - Past Life Martyred Saints




















Die erste Vorladung (II)

Personalien:
Die drei Buchstaben E, M und A stehen stellvertretend für die Initialen der aus South Dakota stammenden Singer/Songwriterin Erika M. Anderson.

Tathergang:
Wenn man sagt, dass "Past Life Martyred Saints" das Debütalbum von EMA ist, so ist dies nur die halbe Wahrheit, denn zuvor war Frau Anderson bei einer Drone/Folk Band namens Gowns aktiv und veröffentlichte im letzten Jahr bereits "Little Sketches On Tape". Und hier war der Titel Programm, denn das Werk erschien tatsächlich nur als Kassette.

Plädoyer:
Erika M. Anderson versucht viele unterschiedliche Einflüsse unter einen Hut zu bringen: Shoegaze, Folk, Noise Rock oder Elektropop. Dieser Mix klingt dann mal zart und akustisch, im nächsten Moment düster-elektronisch, episch oder verspielt und im übernächsten Augenblick türmen sich Gitarrenwände und Rückkopplungen auf. Verstörend und immer wieder überraschend. Oder wie im 7minütigen Opener "The Grey Ship" alles auf einmal. Anderson erinnert dabei stimmlich manchmal an Kim Deal, Courtney Love, PJ Harvey oder Nico.
Der ein oder andere überzeugende Song hätte dem Album (9 Titel in 37 Minuten) jedoch noch ganz gut getan.

Zeugen:
teilweise legt sie sogar alles bei nur einem einzigen song in die waagschale, so wie bei der ersten single-auskopplung "the grey ship", dessen natur sich im laufe der sieben minuten so sehr wandelt wie alle vier jahreszeiten zusammen genommen. bei den folgenden stücken bleibt ema meist etwas konsequenter, doch scheint sie sich gegen strukturen jeglicher art äusserst gerne zu sträuben und zupft und zerrt mit viel mut an ihren eigenen songs.

der facettenreichtum und die wandelbarkeit als künstlerin liegen dem debüt so zu füßen wie die ungemein lobenden kritikerstimmen, die diese art von unangepasstheit einstimmig feiern. die attitüde sich nur darauf zu besinnen, was der freie geist gerade zulässt, ohne rücksickt auf empfindliche ohren oder traditionelle werte, ist geradezu der zement, der die platte zusammenhält. ema liebt es unterschiedliche einflüsse miteinander zu vereinen, dem hörer teilweise akustische brocken hinzuwerfen, sich dann wieder ausgedehnte grunge-inspirierte passagen vorzuknöpfen und stets irgendwo zwischen lo-fi und ambitioniertem lärm ihren platz einzunehmen. lange hält sie es weder auf der einen, noch auf der anderen seite aus und so verhält es sich auch bei ihrem gesang, der mal lieblich, dann wiederum kratzig und rau wirkt. in "coda" experimentiert sie gar eine minute lang mit mehrstimmigen gesang und macht diesen zum hauptakteur und aushängeschild des songs. der insgesamt eher ungeschliffene charakter der lieder kann als weiterer versuch gewertet werden dem typischen schema f in der musik zu entfliehen, kann allerdings auch als kritikpunkt angebracht werden. als soundtüftlerin dürfte ema aber unter gleich gesinnten auf offene ohren stoßen.
(roteraupe.de)

Indizien und Beweismittel:



Ortstermine:
21.09.11 München, Atomic Café
22.09.11 Hamburg, Reeperbahn Festival
24.09.11 Köln, Gebäude 9
25.09.11 Offenbach, Hafen 2

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...

2 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Prima Album, schöne Überraschung. Und mir fehlen auch nicht noch ein paar überzeugende Songs. Erinnert mich in seiner Grundstimmung so ein wenig an das Debüt von Hayden "Everything I Long For" und das mag ich immer noch sehr sehr gern.

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Wann kommt eigentlich ein neues Album von Polly Scattergood?

5,5 Punkte