Montag, 6. Juni 2011

Death Cab For Cutie - Codes And Keys



















Ich weiß nicht, ob Seth Cohen immer noch sein Death Cab For Cutie-Poster an der Wand hängen hat, aber wenn nicht, dann wäre "Codes And Keys" ein Grund, es wieder dort zu befestigen.

Mit ihrem siebten Album ist die Band weiter weg vom Emo-Rock und näher dran am Sound von Ben Gibbards Nebenprojekt The Postal Service als je zuvor. Man höre nur den Opener "Home Is A Fire" mit seinen dezent vor sich hin pluckernden Beats. Die Gitarren wurden von Chris Walla und Alan Moulder, denen die Namen Brian Eno, O.M.D., New Order und LCD Soundsystem bei der Produktion im Hinterkopf herum spuckten, weit in den Hintergrund gerückt und von Pianoklängen, Keyboards und Streichern dominiert. Der großartige Titelsong dürfte hierfür das beste Beispiel sein.
Musik und Texte sind weniger düster als zuvor, was darin begründet sein mag, dass Gibbard seit zwei Jahren glücklich mit der Schauspielerin Zooey Deschanel verheiratet ist. Glücklich über dieses Album dürfte nicht nur Seth Cohen sein!





"You Are A Tourist" Video

Um Herkunft und Heimat, ums Aufbrechen und Sesshaftwerden und ähnliche Mittdreißiger-Fragen geht es viel in den neuen Songs des 1976 geborenen Sängers einer der wichtigsten amerikanischen Indiebands der Nuller Jahre. Arcade Fire, ihr etwas jüngeres kanadisches Pendant, hat sich zuletzt ähnlichen Themen gewidmet. In ihrem Sound waren sich die beiden Bands nie näher als mit ihren jeweils jüngsten Alben; das Titelstück "Codes and Keys" klingt wie eine direkte Antwort auf "The Suburbs", Arcade Fires elegischem Abgesang auf den nordamerikanischen Lebensstil. Auch "Codes and Keys" untermalt die Ausweglosigkeit und Enge, das Gefühl, wie eine Fliege im Glas zu kreisen und mit jedem Wort die knapp bemessene Atemluft zu verbrauchen; zugleich wird aber auch die prekäre, stets bedrohte innere Balance des neubürgerlichen Lebens beschrieben: nicht gerade glückstrunken oder gar jugendlich ekstatisch, sondern eher, nun ja: zufrieden.

Zu diesem Entsagungsstil passt das sehr aufwendig produzierte Understatement-Sound des Albums, für den wie immer Gitarrist Chris Walla verantwortlich war. Der hat die Arbeit als Bastelarbeit beschrieben; anders als früher wurde wenig direkt eingespielt. Die Indie-Aggressivität, die noch den vergleichsweise uninspirierten Vorgänger "Narrow Stairs" prägte, fehlt weitgehend. Fast könnte man glauben, die Gitarren seien nachträglich herausgemischt worden, um die Nachbarn nicht zu stören oder die Kinder nicht zu wecken. Statt dessen ein sehr räumlicher, flächiger 3D-Sound mit Keyboards und Streichern.

Zugleich erweiterte Gibbard das Referenzspektrum seines Songwritings: "Stay Young, Go Dancing", mit dem das Album schließt, erinnert in seiner ausgelassenen Melodienseligkeit eher an die späten XTC denn an den Emo-Weltschmerz, aus dem Death Cab for Cutie Ende der 90er hervorging. Mit Jungbleiben ist wohl eher die Fähigkeit gemeint, zuweilen mit Begeisterung einem Kindergeburtstag beizuwohnen, als in verrauchten Clubs Wochenenden zu verbringen.
(welt.de)





"Home Is A Fire" Video


Death Cab For Cutie (zusammen mit The Head And The Heart) in Deutschland:

26.06.11 München, Muffathalle
27.06.11 Berlin, Astra
29.06.11 Hamburg, Docks

6 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Vielleicht meine zweitliebste Platte von DCFC...

8 Punkte

Volker hat gesagt…

Hier warte ich noch auf das endgültige "Klick-Machen"

7 Punkte

Julia hat gesagt…

8,5 Punkte

U. hat gesagt…

8 Punkte.

aXel hat gesagt…

8 Punkte