Mittwoch, 15. Juni 2011

13 & God - Own Your Ghost



















Mit Begeisterung habe ich mich bisher immer auf alle Veröffentlichungen aus dem Umfeld von The Notwist gestürzt. Immer? Nein, nicht immer, denn beim Tied Tickled Trio hat mich die Nähe zum Jazz abgeschreckt und bei 13 & God reichte die Erwähnung des Wörtchens "Hip Hop", um deren 2005er Debüt zu ignorieren.
Nun steht mit "Own Your Ghost" die zweite Zusammenarbeit zwischen den Weilheimern und den kalifornischen Hip Hoppern von Themselves in den Plattenläden und diesmal habe ich mich dann doch getraut...



... und wurde positiv überrascht. Das Gros der Titel könnte sich so sicherlich auch auf den letzten Veröffentlichungen von The Notwist wiederfinden und liefert deren typische Stilelemente. Jedoch herrscht auf "Own Your Ghost" eine größere Experimentierfreude vor: Zu Achers unaufdringlichem Gesang gesellen sich die Beiträge von MC Doseone (oder umgekehrt), ohne dass es nach einer erzwungenen oder aufgesetzten Kooperation klingen würde. Dem typischen, oft leicht melancholischen Indietronic-Sounds von Notwist steuern die Einen Dub, Trip Hop oder Drum 'n' Bass-Elemente bei, während die Anderen sich auch an Jazz oder Krautrock wagen. Die Grenzen zwischen beiden Bands verschwimmen zusehends, die unterschiedlichen Sounds werden zu einer Einheit verflochten und man mag gar nicht vermuten, wer welche Ideen mit ins Studio brachte.



Im Doppel gelingt den beiden Bands ein Kunststück: Die Räume sind offener und größer, die Songs überraschender und konsequenter. Das geglückte Zusammenspiel gipfelt im flimmernden "Unyoung", das die Traurigkeit, die in der Stimme von Markus Acher liegt, mit resigniertem Sprechgesang kreuzt, sodass sich ein melancholischer Brocken aus dieser elektronischen Nebelwelt schält. Das klingt so gespenstisch und verstörend, dass man diese seltsam entrückte Collage für die ganz üblen Tage als Soundtrack abspeichert.

Das eigentliche Meisterwerk von "Own your ghost" ist die zunächst unspektakulär wirkende, bald aber aufblühende Krautrock-Illusion "Death minor", die in eine schauerliche Parallelwelt entführt. Die Geräuschkulisse ist vielseitig und spannungsreich, der Beat beunruhigend. Man würde am liebsten mit einer Machete alles niedermähen, um zum Kern dieses Stücks, ja des ganzen Albums vorzudringen. Doch ehe man sich versieht, steckt man bis zu beiden Ohren in dieser farbenfrohen, traurigen Welt von 13 & God. Hier gibt es Meditation und Transzendenz. Das Skelett auf dem Cover zeigt es an: ein sehr guter Wurf.
(plattentests.de)


5 Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Wie sind 13 & God eigentlich so live? Gibt es da irgendwo im WWW einen erwähnenswerten Bericht?

Oliver Peel hat gesagt…

Schweigen im Walde...

Anonym hat gesagt…

sehr gut sind die live
http://vimeo.com/24347296

Dirk hat gesagt…

Großartige Antwort!
;-)

Wie viel mehr Punkte wären ohne diese Rap-Einlagen möglich gewesen...

7 Punkte

aXel hat gesagt…

6 Punkte