Sonntag, 29. Mai 2011

Art Brut - Brilliant! Tragic!



















Nach dem mit seiner Freundin Dyan Valdes (The Blood Arms) bestrittenen Nebenprojekt Everybody Was In The French Resistance... Now ist Eddie Argos nun zurück bei Art Brut und verspricht gleich dreierlei:

1. "Brilliant! Tragic!" ist nicht nur sein liebstes Art Brut-Album, sondern auch deren bisher bestes. Dem kann man leicht widersprechen, denn es hat weder den Überraschungseffekt von "Bang Bang Rock 'n' Roll" zu bieten, noch dessen Hits.
Knüpft die erste Single noch an die Weekend-Tradition des Debüts an ("Good Weekend" und "Bad Weekend" bzw. noch "Every Other Weekend" und "Really bad Weekend" auf der limitierten Version) und lässt sich mit "Clever, Clever Jazz" noch ein weiterer großer Song finden, so muss man das dumpf punkrockige "Axel Rose" und das viel zu lang geratene "Is Dog Eared" erst einmal wohlbehalten überstehen.
Aber "It's A Bit Complicated" und vor allem das schwache "Art Brut Vs. Satan" müssen im direkten Vergleich zu "Brilliant! Tragic!" erst einmal bestehen.





"Lost Weekend" Video


2. Art Brut werden uns aus den Schuhen rocken ("This time there are a few songs to let you catch your breath so when we do rock the fuck out again it hits home harder.") - und das gelingt mit Hilfe von Black Francis auf dem Produzentenstuhl ganz ordentlich. Das man an der ein oder anderen Stelle recht deutlich an dessen Band, die Pixies, erinnert wird, nehmen wir dankend in Kauf.
So überredete Black auch Bassistin Freddy Feedback zu ihrem ersten Gesangsbeitrag auf einer Art Brut Platte und ließ das abschließende "Sealand" so zu einer Mischung aus "The Happening" (Pixies) und Emilias "Big Girl" werden!

3. Eddie Argos singt nun (We had more time in the studio this time too (about a week more) so Black Francis had time to teach me how to sing. I'm very proud that I sing on it. Only took four albums to start singing, not bad.)!
Sagen wir, er versucht es. Genau so, wie Liam versucht bessere Songs zu schreiben als Noel.
Doch wie bei Mark E. Smith sollte man aber bestenfalls das Wörtchen Sprechgesang in den Mund nehmen. Es ist jedoch einerlei, ob Argos nun singt oder spricht, denn er hat wieder das ein oder andere Bonmot im Angebot, so zum Beispiel "Everybody wants to feel sexy sometimes. I can make it happen with a voice like mine" in "Sexy Sometimes".

(...) ‘Bad Comedian’ liefert Altbewährtes: Eddie erleidet einen Rückfall in sein altes Geplapper, in welchem er den neuen Lover einer verflossenen Liebe denunziert. Dies tut er in gewohnter Manier gespickt mit (pop-)kulturellen Referenzen: “He dresses like he came free with the NME” heißt es da unter Anderem über den Nebenbuhler. Im Refrain zeigt sich Argos erneut von einer lauteren Seite, was abermals darauf hinweist, dass man sich vom darin wohl bewanderten Produzenten hat inspirieren lassen.

Bei allem Gerede um die gesanglichen Qualitäten Eddies, lässt es sich eine postmoderne Band wie Art Brut allerdings nicht nehmen, selbst Bezug auf diese neu erworbene Fähigkeit zu nehmen: “I want to be played in the background, while couples drink their wine/ That would be a triumph with a voice like mine”, heißt es dazu in ‘Sexy Sometimes’. Der ungewohnt ruhige Track lässt zwar die Quirligkeit früherer Art Brut-Songs vermissen, zählt aber trotz, oder gerade wegen der neuen Sanftheit zu den interessanteren Songs des Albums. Ebenso tragen die erwähnt selbst-referenziellen Lyrics zum Gefallen bei.

Thematisch unterscheiden sich die 10 Tracks von Brilliant!Tragic! dezidiert vom Vorgänger, auf welchem es noch um profane Alltagshandlungen, wie Busfahren und Ferienjobs ging. Sexier und tiefgründiger wollten sich Art Brut nach eigenen Aussagen auf diesem Album geben. Da ist natürlich nichts naheliegender, als Songs über Axl Rose oder Argos’ neuentdeckte Hellseher-Fähigkeiten (‘I Am The Psychic’) zu schreiben. Aus einer morbiden Laune heraus entlockte er seiner Schreibfeder dann noch einen Song für die eigene Beerdigung. Der Name? “Ice Hockey”! Klar.

Daran zeigt sich, dass Brilliant!Tragic!, bei allem Ausprobieren der neuen Stimmgewalt (ahem…), im Kern noch immer unverkennbar Art Brut ist. Dennoch handelt es sich nicht um ein tadelloses Album. Dass beispielsweise der schwächste Song “Is Dog Eared” mit über sechs Minuten auch gleich der längste des Longplayers sein muss, stößt auf Unverständnis.

Und doch gelingt es Art Brut ungeachtet der im Opener postulierten Ansage “Stop shouting, play what you know!” ihrer Musik mit funktionierenden Neuerungen frischen Wind einzuhauchen — der Rest ist Altbewährtes. Art Brut eben.
(mainstage.de)

3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Gute Musik. Brillante Stimmung. Vor allem "Is dog eared". 8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Das Album hätte auch "Art Brut vs. Pixies" heißen können.

7 Punkte

U. hat gesagt…

That joke isn't funny anymore

5 Punkte.