Donnerstag, 10. März 2011

Lykke Li - Wounded Rhymes



















Lykke Li wurde mit ihrem Debütalbum "Youth Novels" zu einer mittelgroßen Indiepop-Sensation. Seitdem sind knapp 3 Jahren vergangen und die gebürtige Schwedin kommt mit ihrem von Björn Yttling (Peter Björn & John) produzierten zweiten Album und einigen Veränderungen zurück. "Wounded Rhymes" verabschiedet sich von den Elektropop-Elementen und verbindet The Knife-mäßige, dominante und variartionsreiche Drumsounds, retro-artigen Orgelklängen und Lis ungewöhnliche Gesangsstimme mit düsteren Texten. So zirkelt die Platte zwischen Singer/Songwriter-Attitüde mit leichtem Gospel- und Folk-Einschlag zur gezupften Gitarre ("I Know Places"), Radio tauglichem Pop ("Get Some") und 60s Referenzen mit Girl-Group-Harmonien und "Schuab-Schuab"-Gesangseinlagen ("Unrequited Love", "Sadness Is A Blessing").
Man darf Lykke Li durchaus eine positive Weiterentwicklung attestieren und nach PJ Harvey bereits zum zweiten Mal dieses Jahr das Album einer Sängerin abfeiern.






"I Follow Rivers" Video

Eindrucksvoll stellt Lykke Li ihre stimmliche Qualitäten in "Unrequited Love" unter Beweis, einer Ballade ganz im Namen des Folk. Zu stark reduzierter Instrumentierung und mehrstimmiger Chorbegleitung singt Li über eine unglückliche Liebe und klopft dazu leise auf ihre Schenkel. "Großartige Songs sollten nur mit Handclaps und Gesang gespielt werden können.", sagte sie einmal. "Get Some" liefert das Kontrastprogramm: ein selbstbewusster Popsong mit knackigem Beat, der sofort in alle Gliedmaßen fährt : "I'm your prostitute / Come and get some."
Orgel. Trommelwirbel. Die Orientierung am Psychedelic Rock zeigt sich deutlich in "Rich Kids Blues". Lykke Li kann auch düster und rau. Im Gegensatz dazu singt sie in "Sadness Is A Blessing" mit bonbonsüßer Stimme ein zauberhaftes Lied über die Traurigkeit: "Every night I rant, I plead, I beg him not to go / Will sorrow be the only lover I can call my own?"
Während sich "I Know Places" ganz auf Gesang und akustische Gitarre beschränkt, brennt "Jerome" ein Feuerwerk aus treibenden Voodoo-Drums ab. Bedrohlich und feierlich zugleich macht dann "Silent My Song" den Abschluss. "And you see pain like it is pleasure / Like a work of art / Well I'm your painting, I'm your treasure / Purest of them all." Nur noch Chor. Lykke Lis Stimme. Zufriedenheit.
"Wounded Rhymes" wirkt alles andere als jugendlich-zerbrechlich. Unerfüllte Liebe, Trauer, Schmerz. Alles klingt weniger lieblich als auf "Youth Novels", stattdessen tönt aus den neuen Songs Bodenständigkeit und Düsternis. Skandinavische Mentalität, könnte man meinen. Oder verdankt die Schwedin ihrem bewegten Leben einfach eine ungewöhnliche Reife? Fest steht: Dieses neue Gewand steht Lykke Li verdammt gut.
(laut.de)



Lykke Li in Deutschland:

04.04.11 Hamburg, Grünspan
05.04.11 Berlin, Astra Kulturhaus
06.04.11 München, Muffathalle
11.04.11 Köln, Gloria

7 Kommentare:

vielleichtsagerin hat gesagt…

mmmmh, die rezi lässt auf ein interessantes album schließen und macht lust auf reinhören.

von ihrem debüt war ich schon angetan, allerdings nur so lange, bis sie so richtig populär wurde. dies hatte zu folge, dass sie mir schlagartig trivial und girliemäßig vorkam. was wiederum zu der ewigen gretchenfrage führt:

darf man eine band, die den geheimtippstatus verlassen hat, noch immer toll finden:-)?

wahrscheinlich hat das eine mit dem anderen nihts zu tun. aber ein bisschen appeal büßen ehemals unbekannte und zu neustars avancierte lieblingsmusiker schon ein ...

Dirk hat gesagt…

Wer hätte mit solch einem Qualitätssprung bei Lykke Li gerechnet?

Ich finde die Platte toll!

8 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

8,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Lykke Li gehört sicher dieses Jahr zu den Sängerinnen, die bei mir gut abschneiden. Aber nichts geht über das Album von Eleanor Friedberger

7

Oliver Peel hat gesagt…

Pikeldi, ähem, Lykke Li ist ganz großer Mist! Das haben sogar die Schwedinnen im Publikum bei dem abscheulichen Auftritt beim Pitchfork Festival in Paris zugeben müssen.

-3- Punkte

Julia hat gesagt…

Lustig, beim Pitchfork Festival hab ich sie auch gesehen - den Auftritt fand sie zwar nicht abscheulich, jedoch sterbenslangweilig.
Die Platte ist dennoch gar nicht so schlecht.
6 Punkte

U. hat gesagt…

7 Punkte.