Samstag, 12. März 2011

Keren Ann - 101



















Man musste schon regelrecht investigativ werden, um in den letzten 4 Jahren das musikalische Schaffen von Keren Ann zu verfolgen. Denn so lange ist es her, dass mit "Keren Ann" (bei uns 7,17 Punkte) und der wundervollen Lead-Single "Lay Your Head Down" die letzten Tonträger unter ihrem eigenen Namen erschienen sind.
Doch unproduktiv war die 36jährige nicht: Es gab die Mitarbeit an "Dingue" von Emmanuelle Seigner, einen Soundtrack für einen Film von Benoit Petre, das neue Sounddesign des Senders ARTE und das live aufgenommene Orchester-Album von Lady & Bird, ihrer empfehlenswerte Kollaboration mit Bardi Jóhannsson, zu vermelden.
"101" ist nun ihr sechstes Soloalbum und erneut komplett in Englisch eingesungen. Das ist auch konsequent, denn mit Nouvelle Chanson hat die Kosmopolitin Keren Ann, die zwischen Paris, New York, Israel und Island pendelt, nicht mehr viel zu tun, auch wenn sie in ihrem aktuellen Video und auf dem Plattencover mit neuer Mireille Mathieu-Gedächtnis-Frisur auftaucht:




Das Album präsentiert eine abwechslungsreiche Mischung aus sphärisch-melancholischen Folksongs und leicht nostalgischem Pop. Besonders heraus stellen lassen sich die streicherveredelten Balladen "All the Beautiful Girls" und "You Were On Fire". Achtet man gezielt auf die aufwendige und detailverliebte Produktion, dann versteht man, warum sich Keren Ann so viel Zeit für diese Platte ließ und wieso sie seit 2007 so viele ungewöhnliche wie vielfältige Angebote zur Zusammenarbeit bekam.
Während die Süddeutsche uns neben Keren Ann gleich noch drei weitere Damen fürs Frühjahr (Marianne Dissard, Jessica Lea Mayfield und Julie Ann Baenziger von Sea of Bees) empfiehlt, meint der Musikexpress:
Auf dem in Paris, New York und Reykjavik entstandenen Werk finden sich zehn wunderschöne Songs, die meist eher ruhig als aufgeregt sind und durch ihre atmosphärische Dichte mehr als einmal Gänsehaut erzeugen. Ob nun beim schönsten Song der Platte, dem himmlischen „All The Beautiful Girls“, das von Piano und Gitarre vorgegeben und mit French Horn und Streichern veredelt wird. Oder beim sphärischen „Run With You“, das mit seiner Atmosphäre und einem Chor an die Melancholie-Wave-Werke der Cocteau Twins und This Mortal Coil erinnert. Hier wie auf der ganzen Platte bewundern wir auch Keren Anns Fähigkeit der kunstvollen Arrangements, die trotz Streichern und Bläsern nie überladen wirken und bei aller Üppigkeit die Illusion des simplen Folk-Pop-Songs aufrecht erhalten. Die ruhige, melancholische Stimmung wird gelegentlich durchbrochen, etwas temporeicher sind Stücke wie „Sugar Mama“ mit seinem Sixties-Soul-Touch und das fast schon schlagerhafte „Blood On My Hands“. Keren Ann kommt auf ihrer Suche dem perfekten Popsong verdammt nahe.

4 Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Prima Vorstellung, Dirk! Das Album ist famos, ich liebe es.

Ich habe kürzlich versucht mittels Suchmaschine den Post zum Vorgängeralbum hier zu finden, stieß aber auf kein Ergebnis.

Woran kann das liegen?

P.S.: Die Frisur soll laut Keren nichts mit Mireille Mathieu, sondern irgendeiner Figur aus einem Film zu tun haben.

Dirk hat gesagt…

Das kann Keren Ann besser... und auch deutlich spannender.

4,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

@Oliver Peel: Leider ist die Suchfunktion hier recht unzuverlässig - den Grund dafür kenne ich nicht. Gerade wurden beide Alben von Karen Ann gefunden...

Oliver Peel hat gesagt…

Höre es ruhig noch ein paar Mal, Dirk, das Album ist wundervoll!

-8,5- Punkte