Donnerstag, 27. Januar 2011

Esben And The Witch - Violet Cries



















Welche Namen tauchen noch in der Hot List 2011 des Musikexpress auf? (III)


Aus Brighton stammen Rachel Davies, Daniel Copeman und Thomas Fisher, die seit 2008 gemeinsam als Esben And The Witch (benannt nach einem dänischen Märchen) musizieren. Nach 3 Singles, von denen sich weder "Skeleton Swoon" noch "Lucia, The Precipice" auf dem Album befinden, und einer EP, erscheint Ende Januar auf Matador der erste Longplayer des Trios.
"Violet Cries" ist bisweilen düster, dramatisch und beklemmend, so dass die Band selbst den Begriff "Nightmare-Pop" kreierte. Rachels Gesang und die spooky Sounds lassen das ein oder andere Mal an die Cocteau Twins, Dead Can Dance oder Siouxsie Sioux denken. Dazu gibt es schaurige Texte über Krankheiten oder tote Mädchen, die in den Videos passend visualisiert werden:





"Marching Song" Video

Die LP beginnt langsam, schleichend beißt sich der Eröffnungstrack "Argyria" durch morsche Holzwände und läutet mit seinen Ambientflächen die 44-minütige Schauergeschichte ein. Die Marschroute ist klar: "Violet cries" ist ein Vexierbild, es trägt die Schönheit versteckt und den Schrecken, das Abscheuliche offen nach außen. Der Videoclip zur Single "Marching song" ist der beste Beweis für die Lust an Gewalt und Qual: Wozu braucht man schon Tattoos und Piercings, wenn die eigenen Hämatome doch schon schönster Körperschmuck sind? Im Hintergrund hört man Stimmen, die unheilig durch den Song wabern, Todestrommeln peitschen das Stück nach vorne.
Gegen Mitte des Albums erreicht die Intensität bereits ihren Höhepunkt: Das zarte "Marine fields glow" verzichtet auf Effekthascherei, "Light streams" würde in einer ziemlich dunkel getarnten Welt vielleicht sogar als Hit durchgehen. Das beste Stück der Platte, "Hexagons IV", beruht auf der steten Litanei der Sängerin Rachel Davies: "Contours, refract / Patchwork, casket / Enclose, pinfold / Crystal, fortress." Das Stück ist eine pulsierende Schlagader, gefangen in der hallenden Finsternis einer Tropfsteinhöhle. Was man Esben And The Witch indes vorwerfen muss: Die zweite Albumhälfte verlässt sich zu sehr auf Schockeffekte, kann die schwelende Stimmung nicht in Gänze aufrechterhalten und fällt deutlich hinter die ersten Tracks zurück. "Violet cries" ist trotz des immensen Hypes noch nicht die erwartete Großtat. Es fehlt die Substanz, welche die vorherrschende Intensität auf Albumlänge konservieren würde. Auch wenn dieses Debüt alles andere als ein schlechtes Album ist, bleibt ein fader Beigeschmack sowie die Erkenntnis, dass man nur den Listen glauben schenken sollte, die man selbst gefälscht hat.
(plattentests.de)





Zum Weiterlesen: Hier ein Interview mit der Band.

Esben And The Witch in Deutschland:
13.02.11 Köln, Gebäude 9
14.02.11 Hamburg, Molotow
17.02.11 Berlin, Comet Club

5 Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Gibt es zu Esben & The Witch denn auch schon Liveeindrücke im WWW zu lesen?

Dirk hat gesagt…

Don't believe the Hype!

3 Punkte

Daher interessiert auch ein Live-Bericht nicht...

Ingo hat gesagt…

Streckenweise recht dramatisch. 6 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6,5 Punke

Julia hat gesagt…

„Marching Song“ hat mich Ende 2010 schon kurzzeitig eingenommen, das Album war dann aber eine Enttäuschung für mich. 2 Punkte.