Wintersleep - New Inheritors

















In zwei Wochen erscheint das neue Album von Arcade Fire. Wenn man sich fragt, welche anderen bedeutenden Bands und Künstler aus Kanada stammen, so trifft einen fast der Schlag, wenn man Wikipedia zur Hilfe nimmt:
Kanadische Musiker beeinflussten die westliche Musik, wie etwa Rock- und Popmusik in erheblichem Ausmaß, wofür Namen wie Bryan Adams, Paul Anka, Michael Bublé, Leonard Cohen, Céline Dion, Nelly Furtado, Avril Lavigne, Alanis Morissette, Daniel Powter oder Shania Twain stehen.
Wie, das ist noch nicht schlimm genug? Dann bitteschön:
Bekannte Vertreter der Rockmusik sind Rush, Alannah Myles, Billy Talent, die Crash Test Dummies, Nickelback, Saga, Steppenwolf und Neil Young.

Es wird also dringend Zeit, dass Platten vor Gericht diese Woche einen Blick auf relevante und interessante kanadische Veröffentlichungen aus den letzten Wochen wirft.

Kanada #1

Wintersleep sind Paul Murphy (Gesang, Gitarre), Mike Bigelow (Bass), Loel Campbell (Schlagzeug), Tim D'Eon (Gitarre, Keyboard) und Jon Samuel (Keyboard, Gitarre) aus Halifax.
Der Winterschlaf dieses Quintetts hat fast 3 Jahre gedauert, denn der Vorgänger erschien in ihrer Heimat bereits 2007. Doch Wintersleep lagen nicht wirklich auf der faulen Haut, sondern spielten zahlreiche Konzerte, waren zusammen mit Editors und White Lies auf Tour, leisteten Promoarbeit für "Welcome To The Night Sky", das mit Verzögerung nach Europa kam, und schrieben auch an neuen Songs. Diese befinden sich nun auf "New Inheritors", ihrem mittlerweile vierten Album, und orientieren sich deutlich an Interpol ("Blood Collection"), R.E.M. ("Echolocation") oder The National ("Black Camera"). Vielleicht haben Wintersleep und Produzent Tony Doogan (Belle & Sebastian, Mogwai, Teenage Fanclub) doch ein wenig zu viel gewollt, und das Ganze mit Streichern, Bläsern, Hall und Bombast doch zu sehr aufgeblasen. "New Inheritors" ist epischer Indierock, der alte Fans vielleicht nicht vollends überzeugen wird, für Wintersleep aber auch einen weiteren Schritt nach oben auf der Karriereleiter bedeuten und neue Anhänger für sie gewinnen könnte.












"Black Camera" Video

Geblieben ist bei Wintersleep der Hang zum schwungvollen Popsong, der jedoch auf „New Inheritors“ vielschichtiger und inspirierter daherkommt. Sofort springen die Streicher- und Bläserarrangements ins Auge – pardon: Ohr. Sie sind Bestandteil der Songs und nicht um der Kunst willen eingespielt worden. Bereits beim ersten Albumtitel „Experience The Jewel“ bestimmen Streicher das Klangbild mit. Wie ein schwarzer Vorhang sind die ersten Takte orchestriert, daraus erhebt sich ein dynamischer Popsong, der mal mehr mal weniger an The Waterboys erinnert. Der schwarze Streichervorhang hängt am Himmel, durchbrochen vom sinfonischen Sturm und Drang der Band.

Immer wieder sind Fragmente britischer New Wave auszumachen, das Psychedelische und melodisch Verschachtelte von XTC, das dunkel gefärbte Rhythmusgerüst von Joy Division bis zu Interpol und den Editors. Die lieblich leichten, dennoch eindringlich wie ausdrucksstarken Gesangsharmonien des Brit- und Westcoastpop sowie die Jazz, Pop und Soul vereinenden Bläserarrangements. Und immer wieder Keyboards in wunderbar gesetzten Popfarben, die geschickt alles Schrille umschiffen. Aus Vergangenem wird so gegenwärtiger Zukunftspop, der mit intelligenten Melodien nicht geizt. Als Beispiele seien hier der Titelsong und „Black Camera“ genannt.

Vorzüglich, wie Wintersleep Rhythmus und Melodie ineinander verflechten und damit den Begriff Power Pop beinahe neu definieren, in dem sie das beste aus zwei Welten (UK- und US-Pop) in ihr Konzept überführen. Thematisch kommen zwar immer wieder Entfremdung und Niedergeschlagenheit zum Vorschein, doch die distanzierte Erzählhaltung und das musikalische Geflecht aus Licht und Schatten sorgen für ein spannend fackelndes Klangbild. Wer eine echte Alternative zum Chartspop sucht, der ist mit „New Inheritors“ bestens bedient.
(moderne-popmusik.suite101.de)











Kommentare:

noplace hat gesagt…

der beitrag von moderne-popmusik.suite101.de ist echt zum schreien. hab selten so etwas unpassendes gelesen.

im übrigen ist das album eine herbe enttäuschung. vor allem, wenn man den vorgänger kennt. habe auch noch niemanden getroffen, der anderer meinung ist.

noplace hat gesagt…

4,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Ganz so schlecht finde ich sie nicht, aber über 6,5 Punkte schafft sie's leider auch nicht.

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

aXel hat gesagt…

7

Dirk hat gesagt…

Dann das aktuelle und schwächere Werk:

5,5 Punkte

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